Update Trott-war-Aktion

Vom: 03. Juni  2020

Die letzte Info zu unserer Spenden-Aktion zugunsten von Trott-war liegt nun schon einige Wochen zurück, daher wollen wir an dieser Stelle kurz über den aktuellen Stand informieren: Insgesamt konnten wir bereits 7.355,56 Euro an Trott-war überweisen und somit einen Beitrag zum Fortbestand der Organisation leisten. Da sich unsere Lagerbestände langsam dem Ende zuneigen wird die Aktion unsererseits in etwa 14 Tagen zu einem Ende gebracht.

Der Onlineshop verfügt noch über Restbestände, zu finden hier: https://freiraum.ultra-attitude.de/bestellung/

Reine Geldspenden sind natürlich weiterhin möglich:

Fördergruppe CC e.V.
Postbank Stuttgart
IBAN: DE43600100700175810700
BIC: PBNKDEFF

Über das Ende der Aktion und die erreichte Gesamtsumme werden wir zu gegebenem Zeitpunkt informieren.

Nein, der Fußball befindet sich in keiner Krise – lediglich das Geschäftsmodell derjenigen kommt ins Wanken, die sich daran eine goldene Nase verdienen. Und nicht erst jetzt, aber aktuell mit voller Wucht, bekommt der Profifußball den Spiegel vor die Nase gesetzt, mit welcher Missgunst ein großer Teil der Bevölkerung auf den Profifußball blickt. Wir nehmen wahr, dass sich das Produkt Fußball eine Parallelwelt erschaffen hat, welche viele Fußballfans mit ausufernden Transfer- und Gehaltssummen, einer unersättlich wirkenden Gier nach Profit, Korruption bei Verbänden sowie dubiosen und intransparenten Beraterstrukturen (2017/18 ca. 200 Mio. €) in Verbindung setzen.

Wiederaufnahme des Spielbetriebs
Wir mögen aktuell nicht beurteilen und abschätzen können, wann ein vertretbarer Zeitpunkt gewesen wäre, den Ball wieder rollen zu lassen. Wir bewerten jedoch das Verhalten der Vertreter des Profifußballs als anstands- und respektlos, sich in der aktuellen Krisensituation derart aggressiv in den Vordergrund zu drängen. Der Gedanke, dass sich mit genügend Geld und ausreichender Lobbyarbeit Sonderwege bestreiten lassen, lässt sich leider nicht von der Hand weisen. Ein Vorpreschen bei der Inanspruchnahme routinemäßiger Screenings erachten wir als anmaßend, würden uns doch dutzende andere Institutionen einfallen, bei denen verdachtsunabhängige Testungen mehr Sinn ergeben würden. Übel stößt hierbei nicht die generelle Inanspruchnahme von Testkapazitäten auf, sondern weil sich der Profifußball eine soziale Relevanz anmaßt und eine Sonderbehandlung bewirkt, die in keinem Verhältnis zur aktuellen gesellschaftlichen Rangordnung steht.

Wir hätten vielmehr eine Vorgehensweise erwartet, welche der sozialen Verantwortung und der Vorbildfunktion des Fußballs gerecht wird.

Veränderungen
„Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen“. Zwar zeugt die von der DFL getätigte Aussage durchaus von Selbstkritik, zeigt jedoch gleichzeitig auch, nach welchem Maßstab bisher Entscheidungen getroffen wurden und in welchem Ausmaß man von wirtschaftlichen Interessen getrieben wurde.

Es ist jetzt, und nicht erst nach überstandener Krise, an der Zeit, über konkrete Veränderungen im Profifußball zu debattieren und Entscheidungen zu treffen:

1. Wettbewerbsfördernde, ligaübergreifende Verteilung der Fernsehgelder
Der aktuelle Verteilungsschlüssel sorgt dafür, dass die Schere zwischen finanziell starken und schwachen Vereinen immer weiter auseinandergeht. Eine gerechtere Verteilung fördert den sportlichen Wettbewerb und steigert die Attraktivität der Ligen.

2. Rücklagen
Es muss festgelegt werden, dass die Clubs Rücklagen bilden, um zumindest kurzfristige Krisen jeder Art überstehen zu können, ohne direkt vor der Insolvenz zu stehen. Hierbei muss vor allem Rücksicht auf die e.V.-Strukturen genommen und dafür adäquate Lösungen gefunden werden, ohne diese – ebenso wie 50+1, in Frage zu stellen. Schließlich ist der Verkauf von Substanz zur Rettung der Liquidität genau die Denkweise, die zur jetzigen Krise geführt hat. Daher ist der Umstand, dass die 50+1 Regel zum Teil in Frage gestellt wird, aus unserer Sicht vollkommen unverständlich.

3. Gehalts- und Transferobergrenzen
Spielern und Funktionären seien weiterhin wirtschaftliche Privilegien vergönnt. Analog zu Transfersummen sollten jedoch auch diese gedeckelt werden, um aktuelle Auswüchse zu stoppen und dem irrationalen und unverhältnismäßigen Wettbieten entgegenzuwirken.

4. Einfluss durch Berater beschränken
Rund um die Spieler hat sich ein Netzwerk an Profiteuren gebildet, welches für den Sport in keiner Weise produktiv ist. Dieses muss aufgedeckt, reglementiert und eingeschränkt werden.
Wenn man sich auf der Mitgliederversammlung des eigenen Vereins erklären lässt, wie gering der Bruchteil der teils horrenden Ablösesummen ist, der dem eigenen Verein tatsächlich zu Gute kommt, wird schnell sichtbar, dass an diesem System des modernen Menschenhandels einiges nicht stimmen kann.
Zu hoch sind die Beträge, die bei den Transfererlösen bei den Spielerberatern hängen bleiben, deren Handeln im Interesse ihrer Schützlinge oft durchaus angezweifelt werden darf. Hier ist leider zu vermuten, dass oft der Blick auf den eigenen Gewinn, das „Kasse machen“, im Vordergrund steht und Spieler die Clubs öfter wechseln, als das ihrer eigenen sportlichen Entwicklung zuträglich wäre.
Richtig problematisch wird es dann, wenn sich unter den großen Beratungsbüros kartellartige Strukturen bilden, die mit Absprachen unter der Hand die Transferzahlungen in die Höhe treiben. Der freie Markt aus Angebot und Nachfrage ist dann nachhaltig gestört und es entsteht eine Preisspirale, an der der Profifußball kein Interesse haben kann.
Ebenso muss den verschiedenen Investmentfirmen, welche sich an den Rechten der Spielertransfers beteiligen, ein Riegel vorgeschoben werden. Es darf nicht sein, dass sich Privatpersonen unter dem Deckmantel dieser Firmen die eigenen Taschen füllen und die Verbände die Augen verschließen!
Natürlich ist es in Ordnung und Teil des Wettbewerbes Fußball, wenn gute Spieler gute Gehälter erzielen und entsprechende Transfersummen kosten. Spieler sind (leider) auch eine Handelsware. Die Abartigkeiten, die hier aber in den letzten Jahren gewachsen sind, sind nicht Ausdruck eines gesunden Wettbewerbs.

5. Kader begrenzen
Durch aufgeblähte Spielerkader lagern die Vereine „Kapital“ auf Ihren Auswechselbänken. Manch ein Verein verpflichtet Spieler nur, damit diese nicht für die Konkurrenz auflaufen können und lässt sie dann auf der Bank oder Tribüne versauern. Vereine, die es sich leisten können, blähen ihre Kader künstlich auf. Dem Motto folgend „was ich habe hat schon mal kein anderer“. Das ist natürlich eine Strategie, gegen die Konkurrenten zu arbeiten. Ob sie sportlich ist, steht auf einem anderen Blatt.
Eine Begrenzung der Anzahl an Spielerleihen ist bereits geplant. Dies gilt es, auf die Reduzierung der Profikader auszuweiten Ein beliebiges Aufstocken mit Nachwuchskräften sollte dennoch jederzeit möglich sein, denn würde es rein um die Absicherung gegen Ausfälle gehen, spricht absolut nichts dagegen, Nachwuchsspieler aus den eigenen Reihen hochzuziehen. In diesem Fall zeugt ein großer Kader mit eigenen jungen Spielern von einer nachhaltigen und guten Nachwuchsarbeit. Dies gilt es in Zukunft vermehrt zu fördern.
Ein „Zusammenkauf“ von Profispielern „auf Halde“ ist grundsätzlich abzulehnen. Das wird nicht zuletzt den Spielern nicht gerecht, deren Entwicklung dadurch nachhaltig gestört wird.

Wir werden genauestens verfolgen, ob auf die eigenen Worte der Verbandsvertreter und von Funktionären, den Fußball ändern zu wollen, auch Taten folgen. Schluss mit Ausreden und Heraufbeschwören von Unmachbarkeitsszenarien. Wir erwarten eine lösungs- und keine problemorientierte Herangehensweise mit transparenten Arbeitsschritten.

Fanszenen Deutschlands im Mai 2020

An dieser Stelle weisen wir auf die aktuelle Crowdfunding-Aktion für den SSV Reutlingen hin. Alle Infos zu “Unser SSV” findet ihr unter http://szene-e.de und https://www.fairplaid.org/unserssv

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Sonderausgabe Cannstatter Blättle

Vom: 14. Mai  2020

Auch in der aktuellen Zeit wollen wir nicht ganz untätig sein und euch an unseren Aktionen und Gedanken wieder mit einer neuen Ausgabe des Cannstatter Blättle teilhaben lassen. Leider muss die Veröffentlichung aufgrund der aktuellen Lage erneut online erfolgen. Daher wie bereits beim letzten Mal eine kleine Einordnung: Im Gegensatz zu den sonstigen Veröffentlichungen auf unserer Homepage, ist nicht jeder Text im Cannstatter Blättle als Stellungnahme der ganzen Gruppe zu sehen. Vielmehr bilden wir hier durch die Autoren in unserer Redaktion einzelne Meinungen ab, die eben so im breiten Meinungsspektrum unserer Gruppe vertreten sind.

Bleibt solidarisch!

Nachfolgend dokumentieren wir eine gemeinsame Erklärung europäischer Fanszenen, welcher sich mehrere Hundert Gruppen/Fanszenen angeschlossen haben.

Unterzeichner aus Stuttgart:
Commando Cannstatt 1997
Schwabensturm 2002
Schwaben Kompanie Stuttgart 2006

STOPFOOTBALL – NOFOOTBALLWITHOUTFANS

Europe is suffering due to the Coronavirus.
Governments have declared the lockdown and everything stopped. Protect the most precious thing we have has now become a requirement: the public health is the first and only aim of everyone.
For this reason, we believe that an absolute stop to European football is more than reasonable.

However, like nothing happened, in some corrupted buildings appeared the crazy idea of ​​shooting matches without supporters. 
And all of this for which reason?/In the name of what? It is more than legitimate to think that it is economic interests that take the field and that once again the supremacy of money steps on the value of human life.
Sports clubs should fully understand the passion that holds thousands of people together, and not just listen to the wolves of business;  they should remember that this passion that is consumed around football is not folklore, but it’s its very essence: the public and supporters are the essential factor of “popular sport” by definition.

Therefore, we strongly ask the UEFA and the national associations to keep the stop and stop the football competitions until crowding the stadiums is once again a habit free of risks for public health.

We fight together to return shoulder to shoulder in the stands, to share joys and sorrows, to sing our love.No to football without supporters!  No to football slave of money! 

*STOPFOOTBALL*   *NOFOOTBALLWITHOUTFANS*
United supporters of Europe.

Im Podcast Brustringtalk haben wir über den Abschied aus der alten Cannstatter Kurve vor 10 Jahren gesprochen und die Umbauphase aus Fansicht Revue passieren lassen: https://www.brustringtalk.de/bt089-der-umbau-zum-reinen-fussballstadion-und-geisterspiele/

Wer sich Bilder und Videos vom letzten Heimspiel in der alten Kurve anschauen möchte, wird hier fündig: https://www.cannstatter-kurve.de/vfb-stuttgart-fsv-mainz/

Wie fremd wollt ihr uns noch werden?

Vom: 24. April  2020

Ihr wollt das also tatsächlich ausspielen. Nach einigen zielsicheren Doppelpässen mit BILD und SKY kam jetzt der öffnende Ball auf die Politik. Die muss jetzt nur noch darauf hoffen, dass das RKI sie nicht im Abseits sieht und kann das Ding dann über die Linie bringen. Ein Erfolg für alle Beteiligten, jeder kriegt einen Scorerpunkt, der Rubel kann endlich wieder rollen. Lebensfreude.

Der Rest ist euch egal, mit großem Taskforce-Brimborium versucht ihr, die Tatsache zu vernebeln, dass es auf dem Platz normalerweise nicht sonderlich distanziert zugeht und sollte es einen positiven Fall geben, gelten selbstverständlich nicht alle Mit- und Gegenspieler als Kontaktpersonen. Quarantäne gibt es damit nicht, es wird ja engmaschig getestet, die Öffentlichkeit soll auch nichts davon erfahren. The show must go on. Was soll das für ein Vorbild für alle großen und kleinen Fans sein, denen ihre Freunde, Familien, die Bolzplätze und vieles mehr fehlen. Habt ihr Sonderrechte, weil ihr Verträge eingegangen seid, die ihr nicht erfüllen könnt? Einnahmen verpfändet habt, die ihr noch nicht mal realisiert habt? Einnahmen direkt Spielern und Beratern in den Rachen werft ohne Substanz aufzubauen? Alles in der Hoffnung auf künftigen sportlichen Erfolg. Euer offener und verdeckter Ellenbogeneinsatz hätte euch von einem imaginären Kölner Keller schon zig Mal abgepfiffen werden müssen. Fans sollen aus Romantik und Verbundenheit auf eine Rückerstattung ihrer Tickets verzichten, sie sollen auf den Stadionbesuch verzichten, auf das Gemeinschaftserlebnis Fußball verzichten, auf ihre Gewohnheit, immer da zu sein wo ihr Verein ist.

Vorbildfunktion und gesellschaftliche Verantwortung gibt es wohl nur, wenn man beim Stand von 0:6 den Ball hochhalten kann und dafür Applaus bekommt. Fans sind nur Kulisse, ganz nett, aber aus eurer Sicht nicht notwendig. Wahrscheinlich würdet ihr zur Fortsetzung der Saison auch noch ganze Teams auf den Mond schießen. Für ein Pilotprojekt hätten wir da tatsächlich Vorschläge…

Geisterspiele sollen unumgänglich sein, alternativlos. Wie wäre es mal mit der einfachen Tatsache, dass man eben nur so viel Geld ausgeben kann wie man einnimmt? Die bisherigen Gehaltsverzichte kann man getrost als symbolisch bezeichnen, man muss die Spieler ja bei Laune halten. Sonst wechseln die am Ende noch und man geht als Verlierer aus der ganzen Situation hervor. Um eine Ausnahmegenehmigung quengeln wie ein Kleinkind und von anderen Verzicht fordern, das könnt ihr. Euren eigenen Sauladen in den Griff bekommen, dazu reicht es nicht. Vor kurzem hieß es noch „In diesem Zusammenhang ist es an allen Entscheidungsträgern, auch Selbstkritik zu üben mit Blick auf Fehlentwicklungen in den vergangenen Jahren.“ Daraus wurde dann recht schnell ein ziemlich freches „Was hat der Profifußball falsch gemacht?“. Wenn ihr das nicht wisst, braucht ihr euch nicht ernsthaft zu wundern, dass keiner mehr Bock hat, mit euch auf Dialog zu machen. Viel zu oft wurde euch alles geschildert, wurden euch Papiere vorgelegt und Bilder gemalt. Ihr wollt es nicht begreifen. Um das endgültig festzustellen, muss man nur eure Ankündigung lesen, was im Falle von Menschenansammlungen an Spielorten passieren soll. Spielwertung 0:2. Kollektivstrafe. Eure ultimative Antwort, wenn ihr nicht mehr weiterwisst. Dass ihr die Leute völlig unverantwortlich vor die Tür gelockt hättet, wird natürlich ignoriert.

Für euch ist Fußball nicht nur am Ende des Tages ein Geschäft. Und euch geht der Arsch auf Grundeis, dass dieses Geschäft implodiert. Dafür seid ihr offensichtlich bereit, jeden Wahnwitz zu versuchen. Aber eines ist sicher:
“Der Fußball wird leben – euer Business ist krank!”

Dritte Spende an Trott-war

Vom: 20. April  2020

Auch diese Woche erreichten uns weitere Spenden und Bestellungen. Somit können wir diese Woche 1005,40 Euro an Trott-War überweisen. Die Aktion läuft weiterhin, eine reine Geldspende an unser Bankkonto ist natürlich auch weiterhin möglich.

Fördergruppe CC e.V.
Postbank Stuttgart
IBAN: DE43600100700175810700
BIC: PBNKDEFF

Link zum Onlineshop

Die Frage, wann und in welcher Form wieder Profifußball gespielt werden darf, wurde in den vergangenen Tagen und Wochen viel diskutiert. In der nach wie vor teils unübersichtlichen gesellschaftlichen Situation wurden von verschiedenen Akteuren eine Vielzahl ethischer, epidemiologischer und anderer Argumente ins Feld geführt. Im Folgenden möchten wir uns, als bundesweiter Zusammenschluss der Fanszenen und mit Blick auf die DFL-Vollversammlung, zu dem Thema äußern:

Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung. Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren. Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne. 

Wir vertreten die klare Position, dass es keine Lex Bundesliga geben darf. Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht. Beschränkungen, die für vergleichbare Bereiche der Sport- und Unterhaltungsindustrie gelten, müssen auch im Fußball Anwendung finden. In einer Zeit, in der wir alle sehr massive Einschränkungen unserer Grundrechte im Sinne des Gemeinwohls hinnehmen, ist an einen Spielbetrieb der Bundesligen nicht zu denken. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd. Ganz zu schweigen von der Praxis eines Fußballspiels mit Zweikämpfen, eines normalen Trainingsbetriebes in Zeiten von Versammlungsverboten und eines gemeinsamen Verfolgens potenzieller Geisterspiele durch Fans.

Die Rede von gesellschaftlicher Verantwortung und Pläne für exklusive Testkontingente (über 20.000 Stück) für den Profifußball passen nicht zusammen. Wir verstehen, dass Vereinsfunktionäre durchaus rechtliche Verpflichtungen haben, im Sinne des finanziellen Wohls ihres Vereins zu handeln. In einer Situation jedoch, in der die gesamte Gesellschaft und Wirtschaft vor enormen Herausforderungen stehen, ist es für uns nicht nachvollziehbar, dass offenbar sämtliche Bedenken hintenangestellt werden, wenn es darum geht, den Spielbetrieb möglichst lange aufrechtzuerhalten, bzw. erneut zu starten.

Ganz offensichtlich hat der Profifußball viel tieferliegende Probleme. Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern. 

Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles ,,Weiter so!‘‘, das jedoch lediglich einer überschaubaren Zahl an Beteiligten weiterhin überragende Einkünfte garantiert. Das Gerede von zigtausenden Jobs halten wir schlicht in den meisten Fällen für einen Vorwand, weiterhin exorbitante Millioneneinkünfte für wenige extreme Profiteure zu sichern. Dies zeigt sich auch in der absoluten Untätigkeit des DFB, im Hinblick auf den Fußball unterhalb der 2. Bundesliga. Dass Geisterspiele hier viel stärkere Folgen hätten, als in den Ligen der DFL, wird ausgeblendet. Hauptsache das „Premiumprodukt“ kann weiterexistieren. Hier wird der DFB seiner Rolle nicht nur nicht gerecht, er zeigt auch wiederholt, wessen Interessen er vertritt.

Seit Jahren fordern Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Wir weisen auf Finanzexzesse, mangelnde Rücklagenbildung und die teils erpresserische Rolle von Spielerberatern hin. Die Gefahr der Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern haben wir anhand von Beispielen wie 1860 München, Carl Zeiss Jena und anderen immer wieder aufgezeigt.

Spätestens jetzt ist es aller höchste Zeit, dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen. Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!

In diesem Zusammenhang fordern wir:

-Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren. 

-Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden. 

-Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.

-Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände. Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben. 

Die Phase einer von der restlichen Gesellschaft komplett entkoppelten Fußballwelt muss ein Ende haben!

 Fanszenen Deutschlands im April 2020

Zweite Spende an Trott-war

Vom: 15. April  2020

Wie angekündigt wollen wir im Zuge der Spendenaktion zu Gunsten von Trott-War laufend Geld, das durch die Aktion zusammengekommen ist, an die Organisation weiterleiten. Nach unserer letzten Spende freuen wir uns, dass wir dieses Mal 3.438,23 Euro an Trott-War überweisen konnten. Die Aktion läuft weiterhin, in unserem Online-Shop können noch Pullover und Schals erworben werden. Eine reine Geldspende an unser Bankkonto ist natürlich auch weiterhin möglich.

Fördergruppe CC e.V.
Postbank Stuttgart
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