Aktionen beim Heimspiel gegen Dortmund

Vom: 22. November  2017


„Wer mit jedem Interview für Kopfschütteln sorgt ist ein ahnungsloser Vo…rstand“

Die öffentlichen Auftritte von Herrn Reschke bleiben aus unserer Sicht leider mehr als gewöhnungsbedürftig. Sicherlich muss man die sogenannte „Vollidioten-Affäre“ nicht dramatisieren, schließlich haben wir in der Emotion auch schon mal verbal übers Ziel hinausgeschossen. Warum man allerdings bei jeder sich bietenden Gelegenheit wiederholen muss, dass man „ahnungslose Vollidioten“ gesagt hat und es nicht bereuen würde bleibt uns ein Rätsel. Wäre es nicht deutlich souveräner zuzugeben, dass ein unbedachtes Wort leider die Gesamtaussage überlagert hat? Es ehrt Herrn Reschke, dass er sich so für seine Verpflichtungen einsetzt, trotzdem kann man dieses alberne Kapitel jetzt dann auch gerne mal beenden.
Dazu kommen noch diverse andere Themen deren Außenwirkung er nur unzureichend zu erkennen scheint. Während sich beispielsweise immer mehr Fans fragen ob ihre Interessen eigentlich gar keine Rolle mehr spielen, stellt Herr Reschke klar, dass es auf seine Lebensqualität keinen Einfluss hat wann ein Bundesligaspiel beginnt. Auch im ganzen Komplex um die forcierte Abmeldung der zweiten Mannschaft, vermisst man eine Kommunikation, die in der Lage ist diese einschneidende Veränderung allen Fans nahe zu bringen. „Nicht mehr zeitgemäß“ ist da einfach zu wenig. Ebenso verhält es sich beim ominösen Zweitspielrecht, nach bisherigem Kenntnisstand die perfekte Maßnahme zur Söldnerzucht. Es wird sich eben nicht jeder Fan damit abfinden können, dass es wohl künftig nur noch in krassen Ausnahmefällen Spieler gibt, die in der Jugend zum VfB kommen und bis zu ihrem Debüt in der 1. Mannschaft nur das Brustringtrikot getragen haben. Außerdem sollte man zumindest noch versuchen sportlich glaubwürdig zu bleiben, das Konzept könnte auch ganz schnell zu einer Reihe von Farmteams in der 2. Bundesliga führen. Man stelle sich hier dann mal den Relegationsfall vor…
Uns ist klar, dass es in der internen Diskussion von strategisch Verantwortlichen keinerlei Denkverbote geben kann, die Kritik bezieht sich auch nicht auf die sportliche Kompetenz von Herrn Reschke, sie bezieht sich explizit auf sein Auftreten als Repräsentant des VfB Stuttgart.
Wir hoffen sehr, dass die etwas nachdenklicheren Worte beim gestrigen VfB im Dialog als Schritt in die richtige Richtung zu sehen sind.


„Die Polizei diktiert, der VfB pariert! Schämt euch! Gegen alle Stadionverbote!“

Bereits 2013 sind wir gegen die Novellierung der Stadionverbotsrichtlinien auf die Straße gegangen. Unsere Meinung zur Thematik ist seit dem unverändert, auf der vermeintlich starken Basis eines präventiven Hausrechts wurde eine eierlegende Wollmilchsau zusammengeschustert mit der mit der man nach Herzenslust strafen und aussperren kann. Praktischerweise ohne nervige Klagemöglichkeiten des Betroffenen. Wenn seitens der Polizei festgestellt wird, dass man niemals die gewünschte Anzahl an Betretungsverboten gerichtsfest hinbekommen wird, dann springt eben der VfB ein und verhängt mal eben ein lokales Stadionverbot für das entsprechende Spiel.
Wer sich in dieses „Alles kann, nichts muss“-Dokument des Sicherheitswahns einlesen will wird hier fündig:
https://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/24339-Richtlinien_zur_einheitlichen_Behandlung_von_Stadionverboten.pdf

Stadttrikot

Das Stadttrikot war aus unserer Sicht leider ein ziemlicher Rohrkrepierer, dabei hatte die Idee durchaus ihren Charme und auch die Kooperation mit dem Künstlerkollektiv 0711 ließ aufhorchen. Der Stadtbezug fiel mit einem stylishen Brezelherz eher gering aus und auch die schwarze Ton-in-Ton Optik überzeugte nicht wirklich. Das Stadttrikot ist also leider eher ein gut promoteter, künstlich verknappter und selbstverständlich extrem hipper Lifestyleartikel als ein Aushängeschild des VfB Stuttgart. Schade, dafür hätte man echt nicht auf den bewährten weiß-roten Brustringchic verzichten müssen.

Neue Artikel im Online Shop

Vom: 03. November  2017

Ab sofort findet ihr in unserem Online Shop ein paar neue Artikel, darunter das neue StoCCarda, den Fankalender 2018 sowie neue Aufkleber: http://freiraum.ultra-attitude.de/shop/

Es ist soweit. Endlich erscheint das brandneue StoCCarda – eine ganz besondere Ausgabe. Denn 2017 ist das Jahr der runden Geburtstage: 10 Ausgaben StoCCarda, 20 Jahre Commando Cannstatt! Deswegen konzentrieren wir uns in Ausgabe #10 neben den Spielberichten und dem Rückblick auf die vergangene Aufstiegssaison maßgeblich auf unser 20-jähriges Gruppenjubiläum. Satte 70 Seiten beleuchten die Geschichte und Veränderungen des Commando Cannstatt, unsere Werte und Einstellungen und natürlich die Feierlichkeiten aus diesem Frühjahr/Sommer. Und auch optisch setzen wir mit einem neuen, schlichten Stil und Layout weiter Akzente… Also greift wie immer zu und sichert euch die 10. Ausgabe.
Außerdem haben wir für euch noch weitere Schätze ausgegraben: Am Stand und im Freiraum findet ihr in den kommenden Wochen einzelne Restexemplare des StoCCarda #5, #7 und #8 – zugreifen lohnt sich!

Drei Exemplare mehr hat bereits der Fankalender vorzuweisen. Zum 13. Mal erscheint ab dem Freiburgheimspiel auch unser beliebter Fankalender, der über die Jahre zu einer festen Institution in der Cannstatter Kurve geworden ist. Seit der Erstauflage im Jahr 2006 konnte auf diese Weise die unfassbare Summe von 110.500 € für gute Zwecke gesammelt werden. Auch in diesem Jahr werden wir mit dem Verkauf der Fankalender eine gemeinnützige Einrichtung in Raum Stuttgart unterstützen.
Der gesamte Erlös vom 13. Fankalender wird an den Förderkreis krebskranke Kinder e.V. gespendet. Der Verein fördert die Betreuung auf der kinderonkologischen Station im Olgahospital, indem beispielsweise die Stellen einer Erzieherin und Psychologin finanziert werden. Darüber hinaus werden betroffene Familien während der Zeit der Behandlung und danach unterstützt. Der Förderkreis springt ein, wo Hilfe gebraucht wird. Während die Kinder stationär behandelt werden, haben die Familien zudem die Möglichkeit im „Blauen Haus“ am Herdweg (ganz in der Nähe des Olgahospitals) ein Zuhause auf Zeit zu finden.

Den Fankalender für nur 9 € sowie das StoCCarda für nur 6 € erhaltet ihr ab dem Heimspiel gegen Freiburg am Fanstand im Bauch der Cannstatter Kurve und bei unseren fliegenden Händlern im und ums Stadion. Greift zu und sichert euch die Neuerscheinungen rechtzeitig!

Zum Spiel in Leipzig

Vom: 17. Oktober  2017

Über das Konstrukt RB Leipzig wurde im Grunde schon alles geschrieben und gefühlt in jedem Stadion konnte man den Kampf „Gut gegen Böse“ oder „Tradition gegen Retorte“ verfolgen. Im Grunde könnte man sich nun die besten Aspekte der zahlreichen Argumentationen zu eigen machen, die Schwierigkeit ist allerdings eher unsere eigene Rolle im Duell „wir gegen die“.

Wer oder was ist RB Leipzig?
RB Leipzig ist eine Marketingmaßnahme des Getränkeherstellers Red Bull, welche ohne Rücksicht auf Verluste agiert. Red Bull versucht durch den Unterhalt einer entsprechenden Fußballmannschaft das Profil seiner Marke zu schärfen und einen Imagetransfer von der Mannschaft zum Getränk zu schaffen. Die Attribute gehen dabei in die Schiene jung, talentiert, international, leistungsbereit, professionell, ambitioniert und modern.
RB Leipzig spielt also nur Fußball, weil Red Bull Dosen verkaufen möchte, aus unserer Sicht der Inbegriff von Retorte. Das beweist unter anderem die Tatsache, dass rund 1/3 des Gesamtumsatzes von Red Bull direkt wieder ins Marketing befördert wird. Wer solch ein Konstrukt auch noch anfeuert, macht sich zur Staffage in einem 24/7 Werbespot.

Wer oder was ist der VfB Stuttgart?
Der Reflex ist klar: Der VfB ist ein Traditionsverein. Die Frage ist, ob das so noch stimmt. Schließlich hat der VfB Stuttgart 1893 e.V. keine Bundesligamannschaft mehr. Er besitzt nur noch Anteile an einer AG, die eben eine Bundesligamannschaft hat. Richtig ist, dass der VfB nicht gegründet wurde, um Produkte zu promoten oder Geld zu verdienen, sondern um den Fußballsport zu etablieren und fußballbegeisterten Menschen einen Anlaufpunkt zu bieten. Mit der Professionalisierung des Sports steigt die Notwendigkeit, Geld einzunehmen und immer neue Vermarktungsmethoden, -kanäle und -strategien werden aus der Taufe gehoben. Dies führt so weit, dass man sich im Juni 2017 erzählen lassen muss, dass die Zeit der Romantik und der Vereinsmeierei vorbei sei, der e.V. ein wirtschaftlicher Bremsklotz ist und man Daimler als Investor bräuchte, um wieder sportlich relevant zu werden. Die Masse goutiert diese Phrasendrescherei und spätestens jetzt ist der Bruch mit der Tradition des Vereins offensichtlich. Geld verdienen wird zum Selbstzweck, denn man muss ja Gelder generieren, um erfolgreich Fußball spielen zu können, das bringt dann mehr Geld und mehr Erfolg. Was Geld bringt ist gut, alles andere ist gestrig. Fußball spielt beim VfB nur wer wirtschaftlich verwertet werden kann. Junge und talentierte Männer, in Kickstiefeln oder an der Konsole. Frauenfußball zum Beispiel ist, im Gegensatz zu e-sports, eben kein Wachstumsmarkt.
Der VfB Stuttgart hat also eine Tradition als Fußballverein, tritt aber mittlerweile auf, wie der Verkäufer eines Produktes. Dieses Produkt hat man zu bejubeln oder bestenfalls zu konsumieren. Kritik, Mitsprache, Mitgestaltung, Mitverantwortung, Partizipation sind unerwünscht.

Was heißt das für uns?
Auf den ersten Blick ein Leben im Widerspruch, denn außer dem Spiel an sich, den 90 Minuten sportlichem Wettkampf, gibt es nicht mehr viel, womit man sich identifizieren kann oder will. Deshalb ist an dieser Stelle jeder Fanclub, jede Gruppe und jede Clique in der Cannstatter Kurve gefordert, genau diese Werte weiter zu leben und zu tragen, die sich einst die Vereine auf die Fahnen geschrieben haben. Kein Fanclub lebt ohne Ehrenamt, Wahlen oder Demokratie. Eine Gruppe ohne Solidarität, Zusammenhalt und Respekt ist wertlos. Die Cannstatter Kurve steht für eine jahrzehntealte Fankultur, sie hat Generationen gesehen, die sie auf ihre Art und Weise mit Leben gefüllt haben. Sie muss unser Gegenentwurf bleiben, der Ort an dem Leidenschaft mehr zählt als Hochglanz, an dem Geld und Erfolg nicht das Maß aller Dinge sind.
Genau das wollen wir auch in Leipzig zeigen, also packt eure Zaunfahnen ein, gerne so alt wie möglich. Lasst uns zeigen, dass wir noch da sind und es in Stuttgart noch eine authentische Fankultur gibt.

Jeder Einzelne ist der 12. Mann!

Spruchbänder bei den letzten Spielen

Vom: 25. September  2017

Da die Themen alle mehr oder weniger zusammenhängen, wollen wir in gesammelter Form noch ein paar Zeilen zu den letzten Spruchbändern schreiben: In Gelsenkirchen wurde im Rahmen der bundesweiten Proteste gegen den DFB nochmal an das gekaufte Sommermärchen erinnert. Hier muss auch weiterhin der mangelnde Wille zu Aufklärung und Transparenz kritisiert werden.

Die Proteste wurden auch bei den Heimspielen gegen Wolfsburg und Augsburg fortgesetzt. Leider fungierte auch unser neuer Sportvorstand als Stichwortgeber, so sieht er kein Problem darin das DFB-Pokalfinale in China zu spielen und äußerte sich recht beliebig zum leidigen Thema Anstoßzeiten. Da man die Arbeit eines Sportvorstandes nur mittel- bis langfristig bewerten kann, scheint sich Herr Reschke kurzfristig einen Ruf als Mann der klaren Worte erarbeiten zu wollen. Leider geht ihm dabei die Empathie für Faninteressen etwas ab. Da man ja aber nicht nur meckern, sondern auch mal mit gutem Beispiel vorangehen soll, suchten wir beim Heimspiel gegen Augsburg schon mal eine Übernachtungsmöglichkeit für Herrn Reschke, sollte es zu einem Pokalfinale in Fernost kommen.

Die Chinaorientierung beschränkt sich aber nicht nur auf solche Gedankenspiele. In der Sommerpause gifteten sich tatsächlich Führungspersönlichkeiten von Bundesligaclubs an, wie man es wagen könne keine Chinareise zum Wohle der Auslandsvermarktung der Bundesliga zu unternehmen. Sollte der Maßstab aller Sommervorbereitungen nicht der sportliche Output sein? Dass der chinesischen U20 außer Konkurrenz ein Startplatz in der Regionalliga Südwest verkauft wurde, rundet das Bild ab. Für unser Spruchband wählten wir allerdings eine Aussage von Uli Hoeneß, der darüber sinnierte wie viele Chinesen auf ihrem Smartphone zur Primetime die Bundesliga verfolgen könnten. Chinesische Primetime bedeutet 14.15 Uhr deutscher Zeit. Am Wochenende vielleicht noch keine Katastrophe, unter der Woche definitiv schon. Der Stadiongänger scheint in den Überlegungen aber keine größere Rolle zu spielen.

Beim Heimspiel gegen Wolfsburg gab es zudem noch das Spruchband „Die Blech AG im Fritzlekostüm: Ist das die Zukunft unserer Tradition? Was kommt als Nächstes? Der VfB in Bazitracht?“. Manchmal diskutiert man tagelang, wie man die eigene Message optimal auf ein Spruchband bekommt und manchmal müssen auch einfach mal Emotionen raus. Die Ankündigung, gegen Augsburg in einem potthässlichen Fritzletrikot auflaufen zu wollen und die Befürchtung weiterer „Sondertrikots“ sind vermutlich selbsterklärend, auch der Werbeslogan für die Ausgliederung „Unsere Tradition braucht Zukunft“ dürfte noch geläufig sein, Blech AG ist allerdings eher ein Insider aus unserer Gruppe. Ursprünglich auch bekannt als VfBlech, meistens dann gebraucht, wenn hochtrabende Pläne von der Realität eingeholt wurden oder die fußballerischen Darbietungen eher mau waren. Nach der Ausgliederung dann eben Blech AG, passt ja auch zum Ankerinvestor. Sicherlich sind das viele Themen in einem Topf, aber leider ist das irgendwie auch ein authentisches Stimmungsbild unserer Gruppe.

Das Thema „Bazitrachten“ begleitet uns zur Wasenzeit allerdings schon seit einigen Jahren. Entgegen vieler Vermutungen haben wir hier keine kulturhistorisch fundierte Definition, wann eine Lederhose eine bayrische ist und ob es eventuell eine schwäbische Variante dieses Aushängeschildes der bajuwarischen Bierzeltkultur geben kann. Für uns ist sie ein Symbol für die Wochen des Jahres, in denen Hauseingänge, Gassen und Hinterhöfe zu Freiluftpissoirs werden, die Bahnen nach Kotze stinken und besoffene Partypeople im Bazikostüm durch Cannstatt wanken. Unsere Gruppe trägt Cannstatt im Namen, viele unsere Mitglieder leben hier, unsere Räume und Treffpunkte sind in Cannstatt und unser Gruppenleben findet zum Großteil in Cannstatt statt. Da ist es nur logisch, dass wir uns nur schwer mit diesem andauernden Ausnahmezustand arrangieren können. Seit einigen Jahren scheint nun das große Vorbild die Wiesn zu sein und das ganze Trauerspiel findet auch noch in den entsprechenden Trachten statt.

Einige von uns trinken trotz allem gerne Mal noch eine Maß auf dem Wasen oder statten den Fahrgeschäften einen Besuch ab, trotzdem löst die Wasenzeit bei uns keine Euphorie mehr aus und die schlimmsten Auswüchse werden wir auch weiterhin in aller Deutlichkeit ansprechen, egal ob es opportun erscheint oder nicht.

Gute Besserung Gente!

Vom: 17. September  2017

Podcast: Aktuelle Proteste gegen den DFB

Vom: 14. September  2017

Wir haben uns am Podcast „Brustringtalk“ beteiligt, bei welchem auch die aktuellen Proteste gegen den DFB und die Hintergründe behandelt werden:

https://www.brustringtalk.de/030/

Viel Spaß beim Anhören.

„Liebe BILD: Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!“

Jeder weiß es, die Millionen Leser scheint es jedoch nicht zu stören: Auf der Suche nach der größtmöglichen Schlagzeile wird es in den Redaktionsräumen des Axel-Springer-Verlags mit der Wahrheit nicht immer so genau genommen. In den letzten Wochen sind „die Ultras“ mal wieder ins Fadenkreuz der BILD gerückt. Von DFB-Vize Rainer Koch über Gladbachs Innenverteidiger Jannik Vestergaard bis hin zu der Erfurter Ultraszene mussten sich zahlreiche Protagonisten aus dem Fußballkosmos von Artikeln in der BILD distanzieren. Man wird das Gefühl nicht los, dass Julian Reichelt aktuell mal wieder in seinen persönlichen Kampf gegen Ultras zieht. Das Brecht-Zitat auf unserem Spruchband soll die Frage aufwerfen, ob Unwissenheit oder Bösartigkeit die Triebfeder einer solchen Kampagne sind.

Zudem kündigte der Chefredakteur der BILD auch noch auf seinem Twitter-Account an, dass in Zukunft hochauflösende Nahaufnahmen der von ihm definierten „Gewalttäter aus den Kurven“, ähnlich der Berichterstattung nach dem G20-Gipfel, zur Öffentlichkeitsfahndung abgedruckt werden sollen. Wenn ein Presseorgan die in unserem Land herrschende Gewaltenteilung ignoriert und sich als Polizei, Staatsanwalt und Richter in Personalunion aufspielt läuft gewaltig was schief. Die Unschuldsvermutung und der Schutz von Persönlichkeitsrechten rücken in den Hintergrund, Menschen sollen diskreditiert werden und die Zerstörung von persönlichen Existenzen wird billigend in Kauf genommen. Möglicherweise ist der gute Herr Reichelt ja noch etwas getroffen, dass die heuchlerische „Wir helfen“-Kampagne vor zwei Jahren von den Kurven dieses Landes als genau das angeprangert und abgelehnt wurde, was sie war und womit die BILD seit Jahren ihr Geld verdient: verlogener, populistischer Müll!

Neues vom Fanstand

Vom: 24. August  2017

Fanstand

Beim Auswärtsspiel in Berlin zeigten wir zusammen mit den anderen Stuttgarter Ultrasgruppen das folgende Spruchband:

„Unser Problem mit euch ist: Eure selbstherrliche Paralleljustiz. Fick dich DFB!“

Angesichts der kursierenden Meinung der DFB würde künftig auf Kollektivstrafen verzichten mag die Wortwahl recht drastisch wirken. Allerdings lohnt sich ein genauerer Blick auf die Formulierung des DFB-Präsidenten und den damit verbundenen Vorschlag, doch in einen Dialog einzusteigen.
Herr Grindel empfiehlt nämlich dem DFB-Kontrollausschuss nur vorerst „darauf zu verzichten, Strafen zu beantragen, die unmittelbare Wirkung auf Fans haben, deren Beteiligung an Verstößen gegen die Stadionordnung nicht nachgewiesen ist“. Dazu kommt noch ein Verweis auf die Unabhängigkeit der DFB-Sportgerichtsbarkeit. Es wird hier als bahnbrechendes Zugeständnis verkauft, dass Fans, die nicht gegen die Stadionordnung verstoßen haben, vorerst nicht mehr mitbestraft werden. Das alles mit einem mehr als zynischen Verweis des Verbandspräsidenten auf die Unabhängigkeit der verbandseigenen Gerichtsbarkeit. Dieses Gebaren des DFB als Staat im Staat ist aus unserer Sicht ein grundsätzliches Problem und das System der Sportgerichtsbarkeit kann aus unserer Sicht nicht dadurch legitimiert werden, dass temporär auf die schlimmsten Auswüchse verzichtet wird.

Jeder einzelne Aspekt dieser anmaßenden Paralleljustiz gehört auf den Prüfstand:
• Kollektivstrafen: Hier hatte man schon 2012 die Abkehr verkündet. (http://www.tagesspiegel.de/sport/nach-union-frankfurt-dfb-kuendigt-umdenken-bei-verboten-fuer-fans-an/6444600.html)
• Stadionverbots-Richtlinien: Hier wird das von der Unverletzbarkeit der Wohnung ausgehende Hausrecht bis auf Großveranstaltungen wie Fußballspiele ausgedehnt um ein Parallelstrafrecht zu etablieren. (Link zu den Fananwälten: http://www.fananwaelte.de/?p=147)
• Geldstrafen: Der Verband verhängt nach Gutdünken Geldstrafen gegen Vereine deren Fans unliebsam aufgefallen sind, obwohl beispielsweise beim DFB-Pokalfinale der DFB selbst der Veranstalter ist. Geldstrafen sind in der Höhe auf Vereine zugeschnitten, allerdings gibt es Bestrebungen, das Geld von den Fans einzuklagen. Dadurch können Existenzen vernichtet werden.
• Datenweitergabe: Um Stadionverbote verhängen zu können, werden Daten aus laufenden Ermittlungsverfahren von der Polizei an die aussprechenden Vereine weitergegeben.
• Verbote von Fanutensilien, Choreos und Zaunfahnen: Das DFB Sportgericht hat in der Vergangenheit gegen ganze Fanszenen solche pauschalen Verbote verhängt. Es hat nichts mit Prävention zu tun, wenn die Eingangssituation am Spieltag durch solche schwachsinnigen Verbote weiter angeheizt wird. Keine ernsthafte Fangruppe wird sich ihre Zaunfahne verbieten lassen.

Einen Dialog über dieses Strafensystem mit dem Ziel der Legitimation einer Kompromisslösung wird es mit uns nicht geben!
Ebenso wenig wird es mit uns einen „Krieg“ gegen den DFB geben. Dieser Slogan hat seinen Zweck als Türöffner und Provokation erfüllt und kann nun zu Gunsten von Argumenten zurückgestellt werden. Nazivergleiche oder Holocaustparallelen sind selbstverständlich auch hier nicht hilfreich um einen eigenen Standpunkt darzulegen, sie sind schlicht und einfach deplatziert.

Wir haben uns mit der Paralleljustiz exemplarisch einen der vielen Konfliktpunkte zwischen Fans und DFB herausgegriffen, weitere Themen finden sich in unserem Aufruf zur Karawane Cannstatt oder wurden am zurückliegenden Spieltag von anderen Fanszenen in Spruchbändern oder Texten thematisiert. Es geht dabei nicht um Pyrotechnik oder vermeintlich andere „Ultras-Angelegenheiten“. Die Kritikpunkte betreffen jeden einzelnen Fußballfan:
• Zerstückelung des Spieltags auf Anstoßzeiten von Freitag- bis Montagabend.
• Spiele, die unter der Woche bereits um 14 Uhr angepfiffen werden.
• Sanktionen für Spruchbänder und Gesänge; Verbot der freien Meinungsäußerung.
• Chinesische U20 in der Regionalliga Südwest.
• Ein Relegationsmodus, der Clubs für eine erfolgreiche sportliche Saison die gerechte Belohnung vorenthält.
• Ein Pokalfinale im Stile des amerikanischen Super Bowls inklusive Halbzeit Show-Act.
• Fehlende Konsequenz im Umgang mit Clubs wie RB Leipzig, die die 50+1-Regelung untergraben, jedoch öffentlich hofiert werden.
• Eine gekaufte WM 2006 deren vollständige und ehrliche Aufarbeitung vom DFB weiterhin verweigert wird.
• Überlegungen hinsichtlich der Einführung des „englischen Modells“ / Abschaffung der Stehplätze.

Diese Liste ließe sich sicherlich an einigen Punkten noch präzisieren oder erweitern, sie zeigt allerdings sehr gut die Entwicklung:
DFB und DFL vermarkten mit der Stimmung aus den Fankurven das Produkt Fußball. Im Gegenzug drangsalieren sie Fußballfans in einer Art, die nicht mehr akzeptabel ist und lassen rechtsstaatliche Bodenhaftung genauso vermissen, wie ein gesundes Maß an Selbstreflexion.

In der laufenden Saison werden daher viele Fanszenen den Protest in die Stadien tragen. Deutlich, mitunter provokativ – vor allem jedoch in der Gewissheit, dass der deutsche Fußball die Argumente nicht weiter ignorieren kann.