Geschichte

Wie alles anfing: Die Gründung am 12. März 1997
Noch vor der offiziellen Gründung im März bastelte das Commando Cannstatt für das Rückspiel gegen den KSC im Februar 1997 die zweite Blockfahne in der noch jungen Geschichte, einen überdimensionalen gelben Fuß, der mit Heliumballons empor gehoben unter dem Stadiondach schwebte. Nach den beiden gelungenen Aktionen gegen den KSC in der Saison 1996/97 und jeder Menge Zuspruch aus der eigenen Szene sah man sich dazu berufen aus dem losen Zusammenschluss eine offizielle Gruppierung zu formen. So gründeten rund 15 aktive Allesfahrer aus den Fanclubs Schwäbisch Dynamite, ASD, Powerplay, Schwäbisch Hall, Rote Amigos, Schwabeninferno und Ultras Württemberg am 12. März 1997 im SSC-Heim das Commando Cannstatt. Die Zusammenkunft in der Kneipe glich eher einem normalen Stammtisch als einem zukunftsweisenden Ereignis. Schließlich konnte keiner wissen, welch steilen Aufstieg die Gruppe Jahre später vollziehen sollte. Man wusste ja nicht mal, ob denn der an diesem Tag ins Leben gerufene Versuch einer Ultragruppe überhaupt ein paar Monate Bestand haben würde. Das Treffen lief unter dem Slogan "Aktions-Sitzung", welche man beim 5:1-Auswärtssieg in Köln, wenige Tage vor dem 12. März, plante. Hier sollten nach der erfolgreich verlaufenen Gelbfuß-Aktion gegen den KSC weitere Aktionen besprochen werden. Diese "Aktions-Sitzung" wird heute als die offizielle Gründungsversammlung eingestuft, auch wenn sie damals eher den Charakter einer Besprechung künftiger Aktionen hatte. Man einigte sich aber an diesem Tag auf den Namen Commando Cannstatt, was ausschlaggebend für die spätere Festlegung des Gründungsdatums 12. März war. Die Logo-Entscheidung ließ jedoch noch auf sich warten. Mit einigen, über die Wochen zusammengestellten Vorschlägen im Gepäck trafen sich die Gründungsmitglieder dann wieder am 1. April 1997, an dem die Entscheidung für den Buddy mit Stern als Logo fiel. Diese Zusammenkunft war auch gleichzeitig der Auftakt zu einer Reihe von ersten "CC-Treffs", also den ersten organisierten Treffen der neugegründeten Ultragruppe, welche am 9. April, 30. April und 4. Juni stattfanden. Beim letzten der drei Treffs wurde die Aktion für das bevorstehende Pokalfinale in Berlin in Angriff genommen.
Düsseldorf - VfB 1997
Staatsfeind Nummer eins: Das Jahr 1997
Im April 1997 stellte das nun frisch gegründete Commando Cannstatt zum DFB-Pokalhalbfinale gegen den HSV das bis dahin größte Choreografie-Spektakel in Deutschland mit 35.000 Tafeln auf die Beine, welches die gesamte Cannstatter Kurve plus Gegengerade in Rot und Weiß erstrahlen ließ Diese erste große Choreo wurde damals noch in Zusammenarbeit mit den Offiziellen Fanclubs (OFCs) sowie mit Hilfe eines Sponsors auf die Beine gestellt. Letzteres ist aus heutiger Sicht sicherlich peinlich, kann allerdings als Anfängerfehler in der Findungsphase der Gruppe ad acta gelegt werden. Spätestens jetzt war man auf das CC aufmerksam geworden, was jedoch nicht unbedingt nur Positives mit sich brachte. Aufgrund von Vorurteilen gegen Ultras sahen Verantwortliche von Verein und Polizei im CC sozusagen den "Staatsfeind Nummer eins". Durch Einwirkung von verschiedenen Seiten und bewusst verbreiteten Lügengeschichten entstand ein Ruf, welcher das CC lange begleiten sollte. Schöne Choreografien und die lautstarke Unterstützung der Mannschaft wurden bewusst unter den Teppich gekehrt, stattdessen steckte man das CC pauschal in die Schublade der Randalierer, Rechtsradikalen oder Hooligans, je nachdem wie es gerade gelegen kam. Man erachtete eine Gruppe, die nicht alles kommentarlos hinnimmt, die gerne mal den Finger in die Wunde legt und z. B. mit Spruchbändern die Meinung sagt oder bei VfB-Mitgliederversammlungen kritisch das Wort ergreift, als Störfaktor.
VfB - Hamburg 1997
Im damaligen Block 30 stand unsere Gruppe unter Dauerbeobachtung. Negativer Höhepunkt war dabei das Bundesligaheimspiel gegen Dortmund, bei dem zu Spielbeginn im Block jeder grundlos festgenommen wurde, der ein T-Shirt mit der Aufschrift "CC" trug. Von allen CC´lern nahm man die Personalien auf. Nach den Ereignissen vom Dortmund-Spiel gab es am 2. September eine OFC-Beiratssitzung, bei welcher über das Thema diskutiert wurde. Im Anschluss an die Zusammenkunft des Gremiums folgte ein interner CC-Treff zur Beratung über die weitere Vorgehensweise. Trotz all der Schikanen ließ sich die noch junge Stuttgarter Ultrabewegung nicht unterkriegen, obwohl man jahrelang als kleine Gruppe mit 20 bis 30 Mitgliedern keine Chance hatte, den willkürlichen Maßnahmen entgegen zu wirken und den kursierenden Lügengeschichten den Nährboden zu entziehen. Es war Woche für Woche ein harter Kampf im Stadion und man stand als winziges Grüppchen allein auf weiter Flur, beobachtet und bekämpft von Verein, Ordnern, Polizei und auch eigenen Fans, denen die "neuartige Ultrabewegung" nicht passte. Mit kleineren Aktionen im Frühjahr 1997, wie beispielsweise Choreo-Versuchen in Düsseldorf und Bremen, einer Papierrollen-Wurfaktion zuhause gegen Dortmund sowie einer Europa-Choreografie mit blauen Papptafeln und gelben Sternen beim Heimspiel gegen Bielefeld, machte sich das Commando Cannstatt langsam aber stetig einen Namen. Im Sommer 1997 standen innerhalb weniger Wochen gleich zwei Höhepunkte auf dem Programm. Beim Spiel in München gab es ein Anti-Bayern-Kreuz zu sehen (welches später im Ligapokal-Finale gegen die Bayern in Leverkusen ein zweites Mal gezeigt wurde) und zum wichtigsten Spiel des Jahres, dem Pokalfinale in Berlin gegen Energie Cottbus, eine Choreografie mit großen roten VfB-Buchstaben und Papptafeln. Etwa 25.000 Stuttgarter zündeten während des Spiels über 20 Mal Rauch im Block und zelebrierten einen magischen Pokalabend. Beachtenswert auch die Eigeninitiative der damals rund 20 bis 30 CC-Mitglieder, die mit knappem Budget in der ersten Jahreshälfte gleich mehrere große Aktionen auf die Beine stellten. Allein die Gelbfußfahne mit Helium-Ballons verursachte einen Kostenaufwand von damals rund 2000 Mark.
Liga-Pokalfinale 1997 gegen Bayern in Leverkusen
Nach dem Pokalsieg stand die Saison 97/98 ganz im Zeichen des Europacups. Durch Auswärtsspiele in Reykjavik, Ekeren, Prag und Moskau bis hin zum Finale in Stockholm gegen Chelsea verwöhnte die Losfee die Stuttgarter Anhängerschaft mit Leckerbissen. 80 VfB-Fans machten sich im September 1997 auf zum unvergessenen Erstrundenspiel gegen IB Vestmannaeyjar in die isländische Hauptstadt Reykjavik. Der Trip auf die Vulkaninsel gestaltete sich für viele VfB-Fans zur vermutlich kultigsten Reise in ihrer Fankarriere. Unbeeindruckt von den kalten Temperaturen startete der Mob eine "Oberkörper-Frei-Polonaise." Als "Bonus" strich sich jeder der Entblößten mit Farbe einen großen Buchstaben auf den Rücken, so dass der Name "Commando Cannstatt" auf Stuttgarter Oberkörpern zu lesen war.
Die Ära Winni Schäfer: Das Jahr 1998
Der Europapokal führte die Stuttgarter Anhänger im Frühjahr 1998 nach Prag. Dort gab es von Stuttgarter Seite ein Pyro-Spektakel, bei dem der UEFA-Beobachter auf der Hauptribüne minutenlang nur noch mit dem Notieren der Geldbeträge beschäftigt war, die dem Verein anschließend als saftige Geldstrafe aufgebrummt werden sollten. Zum Halbfinale verschlug es die schwäbische Gefolgschaft noch tiefer in den Osten, nach Moskau. Dort plante man ein Revival der Island-Aktion, nur dass diesmal das Wort "Finale" auf den nackten Oberkörpern geschrieben stand. Beim Finale in Schweden gegen Chelsea konnte das CC mit einer Luftballonchoreo Akzente setzen. Im Vorfeld des Spiels sorgte ein handfester Skandal dafür, dass viele Stuttgarter gar nicht mitfahren konnten bzw. dass letztendlich nur 4000 Schwaben vor Ort waren. Von Vereinsseite aus gab es so gut wie keine Angebote, nur ganz wenige und extrem teure Flüge für VIP's, alle anderen Flugverbindungen nach Stockholm waren schon seit Wochen anderweitig ausgebucht. In einer Zeit, in der Billigflieger noch Utopie waren, konnten sich deshalb viele Fans die Fahrt nicht leisten. Ein Umstand, der noch Jahre später in der Szene sauer aufstieß.
Prag 1998
1998 brach auch der Amateure-Wahn in Cannstatt aus. Der Aufstieg in die Regionalliga schuf eine immer größer werdende Amateure-Szene, hauptsächlich aus Leuten vom CC, welche die Nachwuchskicker immer und überall unterstützten. Egal ob mittwochs in Neukirchen oder sonntags in Burghausen: 20 bis 30 Leute waren bei jedem Spiel dabei. Nach einer sportlich hervorragenden Saison 97/98 mit Platz vier in der Bundesliga, dem Erreichen des DFB-Pokalhalbfinales und dem Durchmarsch bis ins Finale im Pokal der Pokalsieger traf der damalige Präsident MV eine Entscheidung, die die gesamte Stuttgarter Fanszene verändern sollte. Er vollbrachte das Unfassbare und entließ trotz des sportlichen Erfolges den äußerst beliebten und zudem noch erfolgreichen Trainer Jogi Löw und holte das Feindbild Nummer eins, Winni Schäfer, ins Schwabenland. Was man zuerst für einen schlechten Scherz gehalten hatte, wurde einige Tage später zur bitteren Wahrheit. Wohl kein anderer Karlsruher wurde in Cannstatts Fanszene mehr gehasst wie der ständig gegen Schwaben und den VfB pöbelnde Schäfer. Schließlich ließ dieser jahrelang keine Gelegenheit aus, seine Abneigungen gegen den VfB öffentlich zu äußern oder sich bei den Derbys zwischen Karlsruhe und Stuttgart mit dem VfB-Fanblock anzulegen. Schon bei den ersten Test- und Ligacupspielen in der Sommerpause überschlugen sich die Ereignisse. "Schäfer raus"-Rufe über 90 Minuten, fliegende Bierbecher und Gegenstände auf den Trainer, Anti-Schäfer-Spruchbänder, Beschimpfungen und Tumulte vor der Mannschaftskabine prägten die gesamte Vorbereitung. "Hallo Winni, willkommen in der Hölle" lautete das Spruchband beim ersten Auftritt Schäfers, bei einem Testspiel in Backnang, wo es nach Abpfiff vor dem Kabinengang zu Auseinandersetzungen mit dem Trainer kam. Beim nächsten Vorbereitungskick in Zuffenhausen bot sich ein ähnliches Bild. Nach einem Spiel im Rahmen des Bodensee-Cups in Dornbirn musste ein Fernseh-Live-Interview mit Schäfer aufgrund des tobenden Anhangs hinter der Kamera beinahe abgebrochen werden.
Rotterdam - VfB 1998
Zu Saisonbeginn war die Lage kaum anders. Dies ging an der Entwicklung des Commando Cannstatt natürlich nicht spurlos vorbei. Hatte man mit Verein und Ordnungshütern sowieso schon genug zu kämpfen, zehrte jetzt auch noch die Auseinandersetzung zwischen Fans und Trainer an der Substanz. So boykottierten viele CC´ler die VfB-Spiele und fuhren überhaupt nicht mehr hin, während der verbliebene Rest Spiel für Spiel 90 Minuten lang nur "Schäfer raus" von sich gab. Zahlreiche Fans, darunter auch einige CC-Mitglieder, ließen sogar ihre Dauerkarten zurückgehen oder kündigten ihre Mitgliedschaft beim VfB. Schäfer selbst goss noch zusätzlich Öl ins Feuer und glänzte bei Pressekonferenzen mit Sätzen wie "Ich freue mich, Trainer des KSC, äh VfB zu sein." Zudem war man zu Saisonbeginn in den Block 36 am anderen Ende der Kurve umgezogen, was sich auf die sowieso nicht gerade prächtige Stimmung zusätzlich negativ auswirkte. Grund für den Umzug war die Beschwerde eines Fanclubs beim VfB, der Dauerkarten bei uns im Block besaß, aber lieber sitzen wollte. Mittels Druck über den Verein war man gezwungen, sich einen anderen Block zu suchen, in dem man weiterhin im Stehen supporten konnte. Da alle anderen Blöcke rund um die Stehplätze mit Dauerkartenbesitzern belegt waren, blieb uns nur der abseits gelegene 36er als Ausweichmöglichkeit. Mit lediglich 30 Leuten stand das CC dort auf ziemlich verlorenem Posten.
Spruchbänder gegen Schäfer waren, wenn sie nicht zuvor von den Ordnern beschlagnahmt wurden, bei fast jedem Spiel zu sehen. Schäfer indes schaffte es seine Unbeliebtheit noch weiter zu steigern, indem er die eigenen Fans und das CC immer wieder als "Chaoten und Randalierer, die den VfB kaputt machen wollen" bezeichnete und provokativ sein Autokennzeichen Kennzeichen KA-SC-**** nicht ändern wollte. Als Gipfel winkte er den gegnerischen Anhängern beispielsweise in Freiburg und München freundlich zu, nachdem diese schadenfroh "Winni"-Sprechchöre angestimmt hatten. Der Verein beschlagnahmte bei Heimspielen alle Anti-Schäfer-Transparente, die Polizei stellte allwöchentlich ein Massenaufgebot, um den Trainer vor dem wütenden Anhang zu schützen, und so etwas wie Stimmung war nach ein paar Spielen schlichtweg nicht mehr vorhanden. Außer den Anti-Schäfer-Sprechchören gab es oft 90 Minuten lang keinen einzigen Fangesang. In diese Zeit fiel auch das "Wunder von Rotterdam" im UEFA-Cup, wo der VfB nach einem sensationellen 3:0 Sieg in Holland das 1:3 vom Hinspiel wieder wettmachte. Nur 120 VfB-Fans waren mitgefahren, die nach einer zwei Stunden langen Blocksperre erst am nächsten Morgen wieder in Stuttgart waren und zum Dank für die Strapazen von Schäfer als "Feinde des VfB" beschimpft wurden.
Schalke - VfB (Ligapokal in Koblenz 1998)
Nachdem es bei jedem Spiel Tumulte und Eskalationen zwischen den Fans und Schäfer gegeben hatte brachte das Spiel in Freiburg im November das Fass schließlich zum Überlaufen. Nach einer erneut grottenschlechten Leistung und einem Winni Schäfer, der sich von den badischen Fans feiern ließ, rastete der Stuttgarter Block aus. Die Fans stiegen auf den Zaun und wollten noch während des Spiels den Platz stürmen und auf Schäfer losgehen. Ein Großaufgebot der Polizei rannte auf den Rasen und lieferte sich an der Eckfahne vor dem Gästeblock eine Auseinandersetzung mit dem vor Wut schäumenden Anhang. Wenige Tage später, am 4. Dezember 1998, war der Alptraum dann endlich vorbei. Nachdem Schäfer seinen badischen Auftrag beinahe erfüllt hätte und mit einer Niederlagenserie den VfB in die untere Tabellenregion stürzte erfolgte seine Entlassung. Ein Feiertag für das Commando Cannstatt, das beim Heimspiel gegen den HSV erstmals wieder geschlossen im Block 36 auftauchte und supportete was das Zeug hielt.
Erste Erfolge und viel Durchschnitt: Das Jahr 1999
Im Jahr 1999 gab es die ersten Schwenkfahnen in Cannstatt zu sehen. Durch eine Sammelaktion unter CC-Mitgliedern brachte man die nötigen finanziellen Mittel zusammen und schaffte sich zu Beginn des Jahres die ersten vier Schwenker an, die beim ersten Heimspiel gegen Schalke zum Einsatz kamen. Stimmungstechnisch ging daheim abseits der Stehplätze zwar immer noch nicht viel, dafür konnte man sich aber mit Aktionen in Szene setzen. Auch Doppelhalter kamen langsam in Mode. Während beim Großteil unserer Gegner in der Bundesliga damals optisch nicht viel geboten war, konnte das Commando Cannstatt durch einige Utensilien fürs Auge wie Schwenker und Doppelhalter auf sich aufmerksam machen.
Gegen Unterhaching 1999
Eine geplante Klorollen-Wurfaktion über die gesamte Cannstatter Kurve beim Heimspiel gegen Frankfurt ging leider in die Hose, da die Kurvenbesucher ihre Rollen viel zu früh und zu unterschiedlichen Zeitpunkten Richtung Spielfeld schleuderten. Dafür entschädigte zu Beginn des Jahres ein Spiel der ganz besonderen Art. Im württembergischen Vereinspokal trafen die VfB Amateure auf einem Nebenplatz in Degerloch auf die Kickers. Für die damals boomende Amateure-Szene der Höhepunkt schlechthin. Bereits Monate vorher gab es in der Fanszene kein anderes Thema mehr. Als es dann endlich soweit war, fanden sich neben den üblichen 30 Kickers und den 50 sonstigen Zuschauern rund 150 Cannstatter im ADM-Sportpark ein. Spruchbänder, Pyro, Aktionen und Dauersupport sorgten für einen würdigen Rahmen dieses Derbys.
Hertha - VfB 1999
Leider ließ die Mitgliederzahl des CC im Jahr 1999 noch immer zu wünschen übrig. In den ersten beiden Jahren nach Gründung der Gruppe hatte sich nicht sonderlich viel getan und man trat auf der Stelle. Es war kein richtiger Aufwärtstrend in der Gruppe zu erkennen. Man war noch immer genauso unorganisiert wie zu Gründungszeiten. Oft wusste die eine Hand nicht, was die andere tat. Chaos als Struktur. Dafür schien der Amateure-Boom unaufhaltsam, der nicht zuletzt von der Schäfer-Ära und der dadurch entstandenen Distanz zur Profimannschaft resultierte. Nach Ende der Ära Schäfer legte sich der Ama-Wahn wieder und man konzentrierte sich wieder auf die erste Mannschaft. Damals allerdings war bei der zweiten Mannschaft oft mehr geboten als bei den Profis. Zu manchen Auswärtsspielen wie in Ditzingen fand sich gar eine dreistellige Anzahl an Stuttgartern ein. Bei den Profis hatten es vor allem die Derbys gegen Ulm in der Saison 1999/2000 in sich. Beim Heimspiel stellte das CC mit einer großen Choreo den VfB-Schriftzug in der Kurve dar, samt Herzschlag-Choreo auf der Gegengeraden, und die Cannstatter Kurve begrüßte die 10.000 Erfolgsfans im Gästeblock per großem Spruchband als "Ratten vom Donauufer". In Ulm wurde auf einer Blockfahne das Ulmer Münster angezündet und unter der Blockfahne das aufgemalte Flammenmotiv in die Realität umgesetzt. Der Höhenflug des kleinen Nachbarn, die neu entstandenen Kontakte zur Reutlinger Hoolszene sowie das fehlende Derby nach dem Abstieg des KSC machten Ulm damals für kurze Zeit zum Hauptfeind der Stuttgarter Szene. Supporttechnisch produzierte man 1999 sehr viel Durchschnitt. Der Ruf der schlechtesten Heimstimmung gehörte sicher der Vergangenheit an, aber wirklich überzeugen konnte der Support auch nicht. Der singfreudige Kern war zwar vorhanden, aber es waren einfach zu wenige im Block, die sich am Support beteiligten. Zum Ende des Jahres ereignete sich dann noch etwas, was erst nachträglich in die Annalen eingehen sollte. Beim DFB-Pokalspiel an einem klirrend kalten Mittwochabend in Rostock gesellten sich ein paar Jungs des Inferno Cottbus zu uns in den Block. Damals ahnte noch keiner, dass diese Begegnung der Beginn einer Freundschaft zwischen der Stuttgarter und Cottbuser Ultraszene war.
Ulm - VfB 1999
Der große CC-Boom: Das Jahr 2000
In der Saison 1999/2000 wurde das erste Megafon angeschafft, mit dem auswärts der Support ein wenig besser koordiniert werden sollte. Dies gelang jedoch nicht immer. Daheim nutzte die Investition auch recht wenig. Zwar machten die inzwischen rund 40 bis 50 CC´ler im Block 36 gut Stimmung, doch das ausschließlich sitzende Publikum um uns herum starrte uns nur mit dummem Gesichtsausdruck an und von den Stehplätzen war man viel zu weit entfernt. Wenn überhaupt mal etwas zu hören war, dann sangen die Fans auf den Stehplätzen meist etwas ganz anderes wie der CC-Block.
Beim Heimspiel gegen Dortmund zeigte das CC eine knallbunte Choreo unter dem Motto "United Colours of Stuttgart". Dies war eine bezahlte WM-Bewerbungschoreo – und unsere Teilnahme daran leider ein historischer Fehler. Die Heimatflaggen aller Spieler unseres damaligen Multi-Kulti-Teams waren in der Kurve auf Papptafeln zu sehen. Dabei wurde auch die Gegengerade zum dritten Mal nach der HSV-Choreo 1997 und der Ulm-Aktion im Jahr zuvor choreografisch mit einbezogen. Zwei Wochen später gab es einen Sonderzug nach Rostock, den ersten überhaupt in die Ostsee-Stadt. Dadurch wurde bewirkt, dass erstmals mehr als die üblichen 50 Leute die Reise zum weitesten Bundesliga-Auswärtsspiel auf sich nahmen. Mit einer "Tiere heiß auf Europa"-Choreo am letzten Spieltag der Saison 1999/2000 gegen Bielefeld wollte man zum Saisonabschluss eigentlich einen würdigen Rahmen für den Einzug in den UEFA-Cup schaffen, doch die Spieler auf dem Platz waren von dieser Aktion anscheinend derart verwirrt, dass sie das Spiel gegen den festgestandenen Absteiger in unglaublicher Art und Weise nach 3:0 Führung noch verspielten und man sich mit dem UI-Cup begnügen musste. Der Intertoto-Cup war aber, wie sich im Nachhinein herausstellte, für die Entwicklung des CC von enormer Bedeutung.
VfB - Freiburg (DFB-Pokal) 2000
Der Beginn der Saison 2000/2001 brachte den wohl größten Schub nach vorne in der Geschichte des Commando Cannstatt. Der Wechsel vom Block 36 in den Block 33 neben die Stehplätze erwies sich als hervorragender Schachzug und die Stimmung konnte enorm verbessert werden. Ein Generationswechsel, mit dem ein starker Nachwuchs von rund 50 bis 100 jungen Leuten zu uns stieß, belebte die Szene. Die Mitgliederzahl stieg innerhalb kürzester Zeit auf über 200, und gerade die zahlreichen UI-Cup-Fahrten über die gesamte Sommerpause ins benachbarte Ausland sorgten für die nötige Integration der jungen Mitglieder. Mit den UI-Cup-Spielen begann das CC auch, zu allen Spielen eigene Busse anzubieten, was zuvor nicht der Fall war. Beim UI-Cup-Spiel in Lille gegen den RC Lens bescherten eine Hand voll Bengals dem Stuttgarter Anhang eine regelrechte Medienhetze. Von "Randale" und "schweren Ausschreitungen" war die Rede, dabei war bis auf ein paar auf den Platz fliegende Fackeln nichts großartiges passiert. Es kam zu keinerlei Auseinandersetzungen mit den heimischen Fans. Gegen die unangemessene Presseberichterstattung organisierte man beim darauffolgenden "Heimspiel" eine Aktion mit Protestspruchbändern. Heimspiele fanden in dieser UI-Cup-Saison jedoch nur auf dem Papier statt, denn aufgrund von Rasenarbeiten im Daimlerstadion wurden diese im verhassten Karlsruhe ausgetragen.
VfB - Bayern 2000
Neben dem UI-Cup stand in der Sommerpause noch ein weiteres besonderes Ereignis auf dem Programm, welches aus heutiger Sicht unvorstellbar anmutet: Zum ersten Mal in der Geschichte der deutschen Ultrabewegung gab es eine gemeinsame Feier, zu der fast alle deutschen Ultragruppierungen eingeladen wurden. Die Idee zum so genannten "Ultrafeschd" stammte von einigen Mitgliedern des Commando Cannstatt. Also trafen sich am 3. Juni in Vaihingen/Enz bei Stuttgart rund 150 Leute aus den verschiedensten Fanszenen der Republik. Von Kiel bis Mannheim, von Cottbus bis Frankfurt war ein bunt gestreuter Mix an Gruppen vertreten und es wurde eine feucht-fröhliche Party gefeiert, die dazu führte, dass ein Jahr später die Bremer Eastside zur Fortsetzung der Party aufrief. So eine Veranstaltung wäre heute undenkbar, und das ist auch gut so, aber das "Ultrafeschd" bleibt trotzdem als geile Party in Erinnerung.Das "Ultrafeschd" war sicher die skurilste Episode in der Findungsphase der Ultrabewegung in Deutschland. Sie entsprach aber durchaus dem damaligen Zeitgeist, als die meisten Ultras den Gleichgesinnten aus anderen Vereinen näher standen, als dem Rest der eigenen Fanszene.
Das Jahr 2000 war auch das Jahr des großen Umbruchs im Commando Cannstatt, da sich einerseits immer mehr jüngere Mitglieder engagierten, auf der anderen Seite sich viele Ältere auf die Sitzplätze oder den neuen Oberrang zurückzogen. Je mehr der Verein im Laufe der Saison den Bach hinunter ging und gegen den Abstieg kämpfte, desto positiver entwickelte sich der Support. Das zuvor eher beiläufig eingesetzte Megafon wurde nun zum festen Bestandteil und das inzwischen auf über 200 Mitglieder angewachsene Commando Cannstatt zog im neuen Block 32 unterhalb der Stehplätze, der sich als stimmungsfördernder als der 33er erwies, immer besser mit. Unser Anstimmer wurde fortan bei jedem Spiel auf den Zaun gesetzt. Über den UI-Cup schaffte man den Einzug in den UEFA-Cup, und zum Erstrundenauswärtsspiel nach Edinburgh konnte sogar der erste CC-Sonderflieger abheben, der mit 200 Mann in die schottische Hauptstadt flog. Nach einer Sonderzugfahrt nach Innsbruck in der zweiten Runde gab es ein Wiedersehen mit den Rotterdamern, die man zu deren "Freude" erneut aus dem Wettbewerb kickte.
Glanzlichter im Abstiegskampf: Das Jahr 2001
Zum Achtelfinalspiel im pischen Vigo im Februar 2001 organisierte das CC zusammen mit den Fanbeauftragten gleich zwei Flieger, die rund 700 Stuttgarter ans Meer transportierten. In der Bundesliga fanden währenddessen 11 von unseren 17 Auswärtsspielen sonntags statt, was dem frisch aufgekommenen Stimmungshoch im CC allerdings keinen Abbruch tat. Man musste sonntags die weitesten Strecken zurücklegen, unter anderem nach Hamburg, Bremen, Berlin, Rostock und Wolfsburg, und als Dank für die Quälerei hagelte es eine Niederlage nach der anderen. Aber gerade der Abstiegskampf verbunden mit den ungeliebten Sonntagsspielen schweißte die Szene zusammen. Die Erfolgs- und Schönwetterfans verschwanden und der zusammengeschrumpfte Haufen mit dem Commando Cannstatt als zentraler Gruppe hielt zusammen und wusste, auf wen man sich auch in schlechten Zeiten verlassen konnte. All diejenigen, die diese Zeit mitgemacht haben, sind stolz darauf, diesen steinigen und ungemütlichen Weg mit allwöchentlichen Hiobsbotschaften und Negativ-Meldungen über den Verein mitgegangen zu sein. Stolz darauf, dem VfB auch in den stürmischsten Zeiten, in denen schon mit der zweiten Liga geplant wurde und der Lizenzentzug des Vereins unaufhaltsam schien, die Treue gehalten zu haben. Trotz aller negativer Ereignisse rund um den Verein wurde der Support von Spiel zu Spiel besser. Egal wie es auf dem Platz stand, es wurde 90 Minuten alles gegeben. Einige Jahre zuvor wurde man noch als Szene mit dem schlechtesten Support der Liga ausgelacht, nun blickte man plötzlich mit Respekt nach Stuttgart. Das CC entwickelte sich in den Jahren 2000 und 2001 von einer eher kleinen, unbedeutenden Gruppe zu einer der führenden Ultragruppen in Deutschland. Selbst Anhänger von rivalisierenden Vereinen schenkten dem Anerkennung, was sich in der Stuttgarter Fanszene rund um das Commando Cannstatt innerhalb kürzester Zeit entwickelt hatte.
Frankfurt - VfB 2001
Neben weiß-roten Plastikfähnchen und einer leeren weißen Blockfahne mit der Aufschrift "Verarscht" beim Derby unserer Amateure gegen die erste Mannschaft des KSC, mit der man einer möglichen Konteraktion der angeblich über das Motiv Bescheid wissenden Karlsruher entging, zählten im Tifo-Bereich in der ersten Jahreshälfte vor allem die tausenden kleinen Plastikfähnchen, mit denen man den Gästeblock in München komplett füllte, zu den herausragenden optischen Ereignissen. Viel Ärger erregte das Auswärtsspiel in Rostock, bei dem den mitgereisten Schwaben kein Einlass gewährt wurde. Da sich das Ostseestadion im Umbau befand und der FC Hansa anscheinend mit weniger Stuttgartern gerechnet hatte, wurde der Gästeblock kurzerhand gesperrt und die Schwaben auf einen Mini-Sitzplatzblock verfrachtet. Alle, die sich nicht schon in Stuttgart mit Karten eingedeckt hatten - und das waren die meisten - mussten draußen bleiben. Aus Solidarität zu den Ausgesperrten verließ auch der Rest der Stuttgarter in der Halbzeitpause oder schon vorher den Block. 1700 Kilometer Fahrt an einem Sonntagabend waren also für die Katz. Der gesamte Vorfall veranlasste das Commando Cannstatt beim darauffolgenden Heimspiel gegen Cottbus zu einer Protestaktion, da sich auch die Angestellten des eigenen Vereins zu wenig bemüht hatten zu vermitteln. "Rostock fuck you! Für jeden Kilometer brennt heute ein Sitz" hieß das Motto und jede Menge Rauch, Bengals und fliegende Clips brachten den Protest anschaulich zum Ausdruck. Während des Spiels gab es noch eine Sprühfontänen-Batterie, die einen mehrminütigen Fontänenhagel unter das Dach jagte. Der Schiedsrichter konnte sich für das nachträgliche Silvesterfeuerwerk weniger begeistern und unterbrach das Spiel für einige Zeit.
Im Jahr 2001 wurden auch die "CC-Ultraboys" gegründet, die als Jugendgruppierung für einen guten Nachwuchs sorgen sollten. Nachdem man dem Abstieg am zweitletzten Spieltag gegen Schalke mit einem 1:0 Sieg und einem abartigen Jubelorkan gerade noch mal so entronnen war, stand in der Vorbereitungsphase im Sommer 2001 mit dem Freundschaftsspiel gegen die Degerlocher Kickers mehr als ein Pausenfüller an. Das erste Mal seit neun Jahren trafen die VfB-Profis wieder auf den Stadtrivalen, weshalb man erstmals eine "Sonderwanderung" von der Weinsteige nach Degerloch organisierte. Während des Spiels, das gegen den unterklassigen Nachbarn vergeigt wurde, kam es zu einigen Bengalwürfen. Dies führte dazu, dass zu Beginn der Saison alle Materialien komplett verboten wurden. Fahnen, Doppelhalter, Megafon und Spruchbänder waren in Zukunft für die Heimspiele untersagt. Aufgrund der Niederlage in Degerloch veranstaltete das CC beim darauffolgenden Testspiel in Beutelsbach einen Sitzstreik im Mittelkreis, so dass das Spiel nicht angepfiffen werden konnte. Nach dieser Aktion wussten die Spieler wenigstens, dass eine Niederlage gegen den Stadtrivalen - auch in einem Vorbereitungsspiel - für die Fanszene ein harter Schlag ist.
VfB - St. Pauli 2001
Da man sich das vom Verein ausgesprochene "Material-Verbot" nicht gefallen lassen wollte, protestierte man mit dem Spruchband "Im Abstiegskampf waren wir willkommen - jetzt wird uns alles weggenommen" beim Stadionfest vor dem ersten Spieltag gegen den Beschluss, womit man immerhin erreichte, dass wenige Wochen später ein runder Tisch mit Vereinsvertretern und Ultras angesetzt wurde. Ergebnis war ein Kompromiss, der besagte, dass nach zwei Heimspielen wieder alle Utensilien erlaubt werden, sofern in unserem Block bei diesen Spielen kein Pyro mehr zum Einsatz kommt. Nach diesen beiden Heimspielen gegen Köln und Bremen mit einem komplett farblosen Block war gegen Berlin dann wieder alles erlaubt, was umgehend zu einer kleinen Choreo mit Blockfahne genutzt wurde. Die wiedererlangte Freiheit in Sachen Aktionen nahm man im Herbst 2001 ausgiebig in Anspruch. Als Resultat kamen die Stuttgarter Rössle-Choreo über die gesamte Kurve gegen Schalke, die zum damaligen Zeitpunkt größte Blockfahne in Stuttgart gegen St. Pauli, die erste Wendechoreo in Cottbus sowie eine Fähnchen-Aktion über die gesamte Kurve gegen Freiburg heraus.
Eine regelrechte Achterbahnfahrt: Das Jahr 2002
Mit dem Jahreswechsel 2001/2002 beschloss das Commando Cannstatt nur noch Mitglieder aufzunehmen, die gleichzeitig auch Mitglied beim VfB Stuttgart sind. Grund war die Ansicht, dass wir den Sinn von Ultras nicht nur in der Show im Stadion, sondern auch in der absoluten Identifikation mit dem VfB Stuttgart sehen, zum Beispiel mit der Teilnahme an der Mitgliederversammlung. Dieser Beschluss wurde später wieder rückgängig gemacht. Die erhofften Effekte traten nicht ein, stattdessen sank die Mitgliederzahl der Gruppe.
VfB - Lille (UI-Cup) 2002
2002 war das Jahr, in dem sich die Zusammenarbeit mit dem Verein enorm verbesserte. Von den einstigen Diffamierungen konnte keine Rede mehr sein und durch die gute Zusammenarbeit mit dem damaligen Manager Rolf Rüssmann und den Fanbeauftragten erzielten wir einige Fortschritte. Auf Initiative einiger Mitglieder des Commando Cannstatt wurde der Fanausschuss ins Leben gerufen, und in unserem Block konnten wir fortan größtenteils schalten und walten wie wir wollten. Der Verein stand plötzlich hinter uns, anstatt wie früher gegen uns vorzugehen. Man brachte sich gegenseitig Respekt entgegen und erkannte, dass sich durch eine faire Zusammenarbeit viel mehr erreichen lässt als durch ständige Konfrontation. Was natürlich nicht heißen soll, dass man alles kritiklos hinnimmt. Das Jubiläumsjahr 2002, in dem das fünfjährige Bestehen des Commando Cannstatt gefeiert werden konnte, war ein Jahr mit vielen Höhen, aber auch vielen Tiefen. Eine regelrechte Achterbahnfahrt. Einem support- und aktionstechnisch überragenden Frühjahr mit einer schönen CC-Jubiläums-Choreo im März als I-Tüpfelchen folgte nach internen Streitigkeiten der Austritt der Ultraboys aus dem Commando Cannstatt im Sommer. Der Versuch, mit den UB jugendliche Mitglieder an das CC heranzuführen scheiterte aus mangelndem gegenseitigem Verständnis und unterschiedlichen Auffassungen über das Ausleben des Fanseins. Die Abspaltung der UB stellte zudem einen großen Einschnitt in die Gruppe dar, der in der Folge Auslöser vieler interner Streitereien war. Einmaligen UI-Cup-Fahrten im Sommer ins belgische Lokeren, nach Bozen (gegen AC Perugia), Kroatien und Lille mit sehr zufriedenstellenden Auftritten folgten wiederum einige Unstimmigkeiten innerhalb der Szene im Herbst.
Beim UI-Cup-Spiel in Lokeren gab es neben einer Choreo, Pyro und Support auch Trouble mit der belgischen Polizei, woraufhin es für das nächste Spiel in Bozen ein "kollektives Ausreiseverbot für die Gruppen Commando Cannstatt, Neckarbrigade und Inferno Cottbus" hagelte. Nach dem UI-Cup führte uns der UEFA-Cup nach Ventspils, Budapest und Brügge. Zum Heimspiel gegen Budapest wurde eine geplante Wunderkerzen-Choreo leider kurzfristig verboten, dafür gab es gegen Brügge in der Cannstatter Kurve eine Herz-Choreo über die Kurve zu sehen. In der Bundesliga fand noch eine weitere große Choreo gegen Bayern statt, bei der eine große "12", umgeben von elf Riesen-Doppelhaltern mit allen Spieler-Trikots auf einem grün-weißen Rasen aus Papptafeln, den zwölften Mann in der Kurve symbolisierte. Gegen Ende des Jahres beruhigten sich auch die Gemüter der am Streit vom Sommer beteiligten Personen wieder ein wenig. Dennoch waren alle Betroffenen froh, als endlich die Winterpause nahte.
VfB - Dortmund 2002
Doch, wie es dieses Jahr mit seinen vielen Auf und Ab´s so wollte, sorgte eine unerwartete Aktion noch vor der Winterpause erneut für Aufruhr. Präsident Manfred Haas entließ den äußerst beliebten und für die Fanarbeit damals eminent wichtigen Manager Rolf Rüssmann trotz sportlichen Erfolgs aufgrund "interner Differenzen". Überrascht und fassungslos erfuhr man in den Medien von dem Rausschmiss zu dem vom ehemaligen Präsidenten taktisch klug gewählten Zeitpunkt nach dem letzten Spieltag vor der Winterpause, wodurch keine Aktionen im Stadion mehr möglich waren. Also blieb uns als einziges Mittel des Protestes eine Demo. Einen Tag vor Heiligabend rief das Commando Cannstatt zu einer Kundgebung vor der Geschäftsstelle auf und pünktlich zu Weihnachten brannte in Stuttgart der Baum.
Demo für Rüssmann
Demo für Rüssmann
Champions League und Höhenflug: Das Jahr 2003
Äußerst positiv wirkte sich ein Ereignis im Januar 2003 auf unsere Szene aus, mit dem vorher niemand gerechnet hatte. Kurzfristig wurde ein Testspiel gegen Karlsruhe im Schlienz-Stadion anberaumt, was dazu führte, dass die Szene sich nach den Streitigkeiten von 2002 gegen den verhassten Nachbarn wieder zusammenraufte. Beim UEFA-Cup-Spiel gegen Celtic war wieder Choreo-Time angesagt. Das Gründungsdatum "1893" war in großen Lettern in der Cannstatter Kurve zu lesen und erstmals seit vielen Jahren stand die gesamte Kurve und beteiligte sich über 90 Minuten am Support. Die Fanszene rund um das Commando Cannstatt gewann wieder Oberwasser und man hoffte, dass sich der gute Support auch auf die Bundesliga-Spiele übertrug. Dies war aber leider nicht der Fall. Aus dem UEFA-Cup war man ausgeschieden und die Stimmung in der Bundesliga-Rückrunde 2002/2003 war zwar immer noch gut, hatte aber im Vergleich zu den Vorjahren nachgelassen. Auch die Mitgliederzahl schwand und bewegte sich zeitweise nur noch knapp über der 100er-Marke. Insgesamt betrachtet gehörte diese Rückrunde sicherlich zu den schlechteren in der CC-Historie. Der letzte Spieltag gegen Wolfsburg hatte es jedoch noch einmal in sich. Dank der Schützenhilfe von Cottbus hatte sich der VfB erstmals in der Vereinsgeschichte für die Champions League qualifiziert. In der Sommerpause gab einer der treuesten, beliebtesten und erfolgreichsten Spieler des VfB, Krassimir Balakov, sein Abschiedsspiel in Stuttgart. Dies nahm das Commando Cannstatt natürlich zum Anlass, eine extravagante Choreografie zu organisieren. Mit einer in dieser Größe zuvor in Stuttgart noch nie dagewesenen Blockfahne, welche das Konterfei von Bala zeigte, und seiner Rückennummer "10" in Form von Papptafeln sagte das Commando Cannstatt "Danke" für acht Jahre Vereinstreue.
VfB - Hamburg 2003
Mit der zwei Wochen später beginnenden Saison 2003/2004 konnten innerhalb der Fanszene neue Maßstäbe gesetzt werden. Schon über die Sommerpause intensivierte man die Zusammenarbeit mit den anderen aktiven Gruppen in Stuttgart und förderte damit den Zusammenhalt in der Szene. Nach jahrelangen zähen Verhandlungen wurde ein Wunschtraum wahr und wir bekamen die Erlaubnis für eine Lautsprecheranlage in unserem Block, die das Megafon ablösen sollte. Eine Sache, die zuvor niemand für möglich gehalten hatte, da verschiedene Entscheidungsträger dies immer strikt ablehnten. Außerdem durften wir ebenfalls zum Saisonbeginn im Fanwagen den schon lange gewünschten Stand eröffnen, in dem wir unsere Fanartikel verkaufen und die Leute über das CC informieren können. Nebenbei wurde auch noch das Cannstatter Blättle ins Leben gerufen. Die Vorzeichen waren also mehr als positiv.
Bei den ersten Heimspielen gegen Berlin, Kaiserslautern und Dortmund zeigten sich auch gleich die Auswirkungen der neuen Anlage, die für eine enorme Verbesserung der Stimmung sorgte. Das Tief zu Beginn des Jahres war vergessen und mit viel Motivation startete man in eine neue Spielzeit. Der Fanstand war optimal angelaufen und mit den Einnahmen konnte man die erste große Aktion der Saison gegen Manchester finanzieren. Zum 110. Geburtstag unseres Vereins "schenkte" das Commando Cannstatt dem VfB eine Choreo, die das weiß-rote Trikot aus den 50er-Jahren in Form eines Brustrings aus Papptafeln mit den württembergischen Geweihen in der Mitte als Blockfahne darstellte. Überdimensionale Doppelhalter mit der Aufschrift "110 Jahre" sowie alle Meisterschafts- und Pokalsiegerjahre auf einem Spruchband rundeten die Aktion ab. Was sich dabei während des Spiels im Stadion abspielte, ist nur schwer in Worte zu fassen. Unsere Jungs schlugen das Starensemble von der Insel und der Support war nach Ansicht vieler älterer Fans der beste, den es bisher bei einem Heimspiel in Stuttgart gab. Bei Heimspielen griff der Höhenflug der Szene auch auf den optischen Bereich über. So entwickelte sich die standardmäßige Präsentation von Fahnen- und Doppelhaltern zu einem riesigen Fahnenmeer. Die Erfolgswelle brachte aber auch negative Auswirkungen mit sich. Erfolgsfans hielten Einzug und die Cannstatter Kurve (auch das CC nicht ausgenommen) wurde immer singfauler. Viele Gruppenmitglieder sonnten sich im Erfolg des Vereins und hielten es nicht mehr für nötig, den Verein 90 Minuten lang zu supporten. Zu vielen Leuten waren Dinge wie der Suff auf Auswärtsfahrten wichtiger als der Support, weshalb die Stimmung immer schlechter wurde und das Auftreten der Gruppe oft peinlich anmutete. Die Mitgliedschaft in einer Ultragruppe setzt eine gewisse Ernsthaftigkeit voraus. Zu einer Gruppe, die unter anderem das Ziel hat den Verein 90 Minuten lang lautstark und kreativ zu unterstützen, passt es einfach nicht, wenn die Mitglieder besoffen am Zaun rumhängen statt mit voller Inbrunst zu singen. Oder wenn Mitglieder um 15.28 Uhr ins Stadion kommen, während ihre Freunde sich schon seit Stunden abrackern, um die Choreografie vorzubereiten, oder die Fahnen mit zu wenigen Leuten ins Stadion tragen müssen und so Gefahr laufen, etwas gezogen zu bekommen.
VfB - Glasgow Rangers 2003
Beim Heimspiel gegen Glasgow nahm das CC die nächste große Choreo in Angriff und erstellte in wochenlanger harter Arbeit eine Blockfahne, die alles bisherige im optischen Bereich noch einmal in den Schatten stellen sollte. Zum Intro konnte eine über die halbe Cannstatter Kurve entrollte Fahne bestaunt werden, die ein von Engeln umkreistes VfB-Wappen zeigte, in Verbindung mit einer rot-weißen Sonne aus Tafeln und dem Spruchband "Selbst die Engel ham´s erkannt - Stuttgart außer Rand und Band". Um die veraltete Form der Offiziellen Fanclubs in Stuttgart mit ihren zum Teil verkrusteten Strukturen zu reformieren, wurde der VfB Anhängerverband gegründet. In den Vorstand und Ausschuss des Anhängerverbandes wurden auch CC-Mitglieder gewählt, was den Einfluss unserer Gruppe weiter verstärkte. Nach der bereits feststehenden Qualifikation für das Champions League-Achtelfinale konnte man ganz entpnt dem letzten großen Ereignis des Jahres 2003 entgegen sehen: dem rein sportlich bedeutungslosen Auswärtsspiel in Manchester. Erneut 4000 Schwaben reisten auf die Insel. So ging ein Jahr zu Ende, das als großer Höhenflug der Mannschaft und seiner Anhänger in die Geschichte eingehen sollte.
Trotz Stadionverbot nicht tot: Das Jahr 2004
Vor wie immer ausverkauftem Haus stellte das CC gegen Chelsea die dritte Ganzkurvenchoreo im vierten Champions League-Heimspiel auf die Beine. "Eine fanatische Kurve und ihr großer Traum", verkündete man per Spruchband und verbildlichte diesen Traum mit dem CL-Pokal als Blockfahne. Flammen aus Papptafeln inklusive Brustring bildeten die Umrahmung. Zwei Wochen später pilgerten rund 2500 Stuttgarter Fans zum Rückspiel an die Stamford Bridge nach London, wo man die negativen Auswirkungen der Champions League zu spüren bekam. Viele Erfolgs- und Einmalfans tummelten sich im Fanblock, der sich über die gesamte Gegengerade zog und einen einheitlichen Support unmöglich machte. Der Verein schied aus und das Abenteuer Champions League war beendet. Im Frühjahr stand das Spiel beim SC Freiburg auf dem Programm. Dort hagelte es zwei unberechtigte Stadionverbote, eines davon gegen einen Capo des Commando Cannstatt, was einen herben Rückschlag für unsere Gruppe bedeutete und die Gruppe noch lange beschäftigen sollte.
VfB - Chelsea 2004
Aktionstechnisch dürften in dieser Rückrunde neben den Choreos vor allem die Spiele gegen Bochum und Bayern in Erinnerung bleiben. Gegen Bochum gab es in der Cannstatter Kurve einen Klorollen-Regen mit mehreren tausend Rollen über die gesamten Fanblöcke und gegen Bayern blieben von einer ursprünglich geplanten größeren Choreo, die kurzfristig abgesagt wurde, immerhin noch ein ansehliches Fahnenmeer sowie zwei Spruchbänder über die gesamte Kurve übrig ("Kämpfen, siegen, alles geben - Lasst Cannstatts Traum noch einmal leben" sowie "Stadionverbot durch Polizeiwillkür - Alex, die ganze Kurve steht hinter dir"). Bei diesem Spiel wurden leider auch erstmals seit Jahren wieder Spruchbänder von den Ordnern konfisziert, und zwar alle, die sich gegen Felix Magath richteten. Was den Support angeht war in der Rückrunde von miserablen Auftritten wie in Berlin über Durchschnittsleistungen bis hin zu stimmgewaltigen Auftritten wie in Leverkusen alles dabei.
Im Frühjahr 2004 musste unsere Gruppe ihren bisher größten Rückschlag einstecken. Beim Auswärtsspiel in Köln wurde die Away-Fahne verloren, was einen heftigen Einschnitt bedeutete. Der Vorfall stürzte die Gruppe in eine tiefe Sinnkrise, in deren Folge es auch Auflösungsgedanken gab. Über die unglaubliche Leichtsinnigkeit, mit der die Fahne verloren wurde, kann man im Nachhinein nur den Kopf schütteln. Der Vorfall von Köln hat der Gruppe schonungslos den Spiegel vorgehalten. Vieles wurde damals nicht mit dem notwendigen Ernst betrieben. Zu Auswärtsspielen reiste die Gruppe meist verstreut an und bot dem Gegner damit eine Angriffsfläche. Ein geschlossenes Auftreten beim An- und Abmarsch war so gut wie nie vorhanden. Viele Gruppenmitglieder stellten ihre persönlichen Interessen vor die der Gruppe. Natürlich musste man sich nach dem Vorfall innerhalb der eigenen Szene einiges anhören und bundesweit hagelte es zurecht Hohn und Spott. Nach zahlreichen Gesprächen haben wir uns dann, ermutigt von vielen Stimmen aus dem Umfeld, gegen eine Auflösung der Gruppe entschieden und uns zum Weitermachen entschlossen. Dass es so allerdings nicht weitergehen konnte, war klar. In Folge des Vorfalls gab es innerhalb der Gruppe sehr große Veränderungen, auch wenn es eine Weile dauerte bis die Umwälzungen erste Früchte trugen. Seit dem dunklen Kapitel im Frühjahr 2004 hat in vielen Bereichen ein Umdenken stattgefunden, und die Mentalität der Gruppe hat sich stark verändert.
Über die Sommerpause wurde der Zusammenhalt in der Szene gestärkt. Beim Spiel der Amateure am letzten Regionalliga-Spieltag bei den Kickers aus Degerloch hinterließ man einen starken und vor allem geschlossenen Eindruck. Auch was die Mitgliederzahl betrifft erreichte man 2004 eine neue Spitzenmarke. War man Anfang 2003 noch auf knapp über 100 Mitglieder zurückgefallen, so waren es Ende 2004 fast 300. Zum Vorrundenauftakt der neuen Saison gegen Mainz plante man aufgrund der Tatsache, dass unser Verein unsere Stadionverbotler bei Heimspielen nicht reinlassen wollte, einen 45-minütigen Stimmungsboykott. Nach Gesprächen mit Präsident Staudt, der kurz vor dem Spiel sein volles persönliches Engagement zur Aufhebung der willkürlichen Verbote zusagte, blies man den Protest Minuten vor Spielbeginn ab. In der Halbzeitpause des UEFA-Cup-Spiels gegen Lissabon bekam ein Capo des CC völlig unerwartet ein Hausverbot für das Gottlieb-Daimler-Stadion von der Stuttgarter Polizei überreicht. Grund: Unter seinem Namen wurde ein gewaltverherrlichender Eintrag in einem Internet-Gästebuch geschrieben. Nach dieser unglaublichen Frechheit hingen wir unsere Fahne ab, verließen das Stadion und protestierten vor der Haupttribüne. Dass das Hausverbot vom VfB ohne Rücksprache unterschrieben wurde, brachte den Anhang auch gegen den eigenen Verein auf. Als Reaktion auf unseren Protest wurde das Hausverbot einen Tag später wieder aufgehoben. Doch der nächste Hammer ließ nicht lange auf sich warten. Am nächsten Tag bekam unser 1. Anstimmer und Capo vom SC Freiburg ein bundesweites Stadionverbot ausgesprochen.
VfB- Rostock 2004
In der Fanszene brodelte es jetzt natürlich gewaltig. Fortan standen alle Spiele im Zeichen des Protests gegen die willkürlichen Stadionverbote. Trotz erneuter Schikane durch die Polizei und dem Einkassieren von Spruchbändern gelang beim Heimspiel gegen Rostock ein beeindruckender Stimmungsboykott. Das Commando Cannstatt verteilte vor dem Spiel zunächst 15.000 Flugzettel, die die gesamte Kurve über den Sachverhalt der letzten Tage und Monate informierte. Als Protest gab es eine Halbzeit lang einen kompletten Boykott. Keine Aktion, keine Fahnen, keine Doppelhalter, keine Stimmung, lediglich eine "Nicht mehr erwünscht 04"-Zaunfahne vor dem Block. Stillschweigende Fanblöcke, ein komplett sitzender Ultra-Block 31/32 und eine Geister-Atmosphäre, die an Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit erinnerte, hinterließen einen bleibenden Eindruck. Beim nächsten Heimspiel gegen Gladbach gab es zwar keinen Boykott mehr, allerdings blieb die Lautsprecheranlage ausgeschaltet, was zu einer unterirdisch schlechten Stimmung führte. Zum Jahresabschluss ließ man es aber noch einmal krachen. Mit dem neuen Motto "Stärker als je zuvor 04" ging man in die Partie gegen Dinamo Zagreb und konnte mit den Bad Blue Boys in Sachen Support zumindest zeitweise gut mithalten.
Zwischen Protest und Normalität: Das Jahr 2005
Um auf die Problematik der Stadionverbotsvergabe-Praxis aufmerksam zu machen, organisierte das Commando Cannstatt zu Beginn des Jahres 2005 eine Demo zusammen mit der Ultraszene Mainz. Beim Spiel in Mainz im Januar gingen rund 1000 Mainzer und Stuttgarter Fans auf die Straße und demonstrierten für ein Anhörungsrecht bei Stadionverboten. Beim nächsten Heimspiel gegen Nürnberg folgte von uns eine große Ganzkurven-Choreo zum selben Thema. Es dürfte in dieser Größenordnung die bisher spektakulärste Anti-Stadionverbots-Choreo in Deutschland gewesen sein. Doch leider war das Motiv auf der Blockfahne nur sehr schwer zu erkennen und man konnte mit dem Ergebnis der "düsteren" Kurvenshow unter dem Motto "Dunkle Zeiten für den verbotenen Chor - doch wir sind stärker als je zuvor" nicht zufrieden sein. Von der parallel laufende Spendenaktion sowie dem T-Shirt-Verkauf mit dem Choreo-Motiv, deren Einnahmen den Anwaltskosten unserer Stadionverbotler zugute kamen, konnte man hingegen ein sehr positives Fazit ziehen. Somit Zweck erfüllt.
VfB - Parma 2005
Für den Rest der Rückrunde 2004/05 beschlossen wir als Gruppe, uns optisch nur noch auf Aktionen zu beschränken, die entweder unserem Anliegen des Kampfes gegen die willkürlichen Stadionverbote Ausdruck verleihen oder aber unsere Gruppe in den Vordergrund stellen. Eine "Pro-Vereins-Choreo" hätte in dieser Phase der CC-Geschichte nicht nur ein falsches Bild der Sorgen, Nöte und Gedanken der Gruppe nach außen vermittelt, die sich nur noch um die belastenden Ereignissen der vergangenen Monate drehten und die Motivation für andere Dinge auf den Nullpunkt schrumpfen ließen. Das Thema Stadionverbote war auch einfach zu wichtig, um es mit ein paar banalen Spruchbändern und Aktionen abzutun. Eine ganze Rückrunde lang sollten diese ungeheuerlichen Missstände in die Öffentlichkeit getragen werden, bis auch der letzte Stadionbesucher sieht, dass "dort drüben in der Kurve was nicht stimmt". Als Ergebnis der optischen Aktionen sind in dieser Rückrunde die Europablockfahne mit dem Spruchband "In Europas Stadion frei - zuhause im Visier der Polizei" gegen Lautern, das Fahnenmeer unter dem Stichwort "Flagge zeigen gegen Willkür und Verbote," ein Spruchband "Polizeischikane, Hetze, Fans im Knast - WM 2006, bei Freunden zu Gast" sowie die Schilys Hooligans-Choreo gegen Bayern am letzten Spieltag hervorzuheben, mit welcher auf die zunehmenden Repressionen im Vorjahr der WM aufmerksam gemacht wurde.
Heiß her ging es in dieser Rückrunde beim Rückspiel gegen den SC Freiburg sowie im UEFA-Cup in Parma. Zunächst ging es nach Bella Italia, wo man mit einer extraorbitanten Pyroshow ein begeisterndes Spektakel darbot, welches bei anderen Leuten allerdings ganz und gar nicht auf Begeisterung stieß. Die Forderung nach Regresszahlungen sowie die Verfolgung verdächtiger Fans mittels Video- und Fotoaufnahmen ließen das damals ohnehin angepnte Verhältnis zum Verein nach der Stadionverbotsgeschichte weiter abkühlen. Ein Choreoverbot beim Rückspiel trug auch nicht gerade dazu bei, die Wogen wieder zu glätten, und so hing bei diesem Spiel die Commando Cannstatt-Heimfahne verkehrt herum. In Folge der Paramaspiele fanden einige Gespräche zwischen Vereinsvertretern und Repräsentanten der Gruppe statt, bei dem manche Unstimmigkeit ausgeräumt werden konnte und die Wogen sich langsam wieder glätteten. Im Frühjahr hieß der Gast im Neckarstadion dann SC Freiburg. Lange hatte man überlegt, wie man diesen Verein am besten empfangen sollte, und recht schnell war eines klar: Es konnte nur alles daran gesetzt werden, den Badensern zu zeigen, dass sie in Stuttgart nicht willkommen sind. Im Stadion war das Ergebnis dieses Vorhabens ein "Spruchband-Terror" von rund 25 Spruchbändern, die den Weg in die Kurve fanden und den ungeliebten Gästen unmissverständlich verdeutlichten, was man von ihnen und ihrem willkürlichen Repressionsapparat hält.
VfB - Bielefeld 2005
2005 war auch das Jahr, in dem die Kontakte nach Reutlingen wiederbelebt wurden. Diese Kontakte haben eine lange Tradition. Schon in den 80er-Jahren machten die Hools gemeinsame Sache. Ende der 90er sind dann Einzelkontakte zwischen dem CC und den Reutlinger Hools der "Brigade Reutlingen Nord" entstanden. Nachdem die Kontakte einige Jahre lang eingeschlafen waren, wurden sie Ende 2004, Anfang 2005 wiederbelebt und trugen im Laufe des Jahres 2005 erste Früchte in Form von gemeinsamen Spielbesuchen und Feiern. Förderlich für die Wiederbelebung war sicherlich auch die Gründung der Szene E, die in den selben Zeitraum fiel. Im Sommer des Jahres nahm das Commando Cannstatt an der bundesweiten Fandemo in Frankfurt teil, um unter dem Motto "Fußballfans im Abseits" für die Rechte der Fans zu demonstrieren. Trotz großer medialer Aufmerksamkeit und der Ankündigung einer Ombudsstelle war diese Veranstaltung leider nicht von Erfolg gekrönt.
Ein paar Wochen später sorgte ein Freundschaftsspiel in Karlsruhe für Aufruhr. Die Folgen nach 150 Ingewahrsamnahmen drohten verheerend zu werden, gingen aber nach wochenlangem Bangen erfreulicherweise glimpflich aus. Die Vorkommnisse zogen allerdings Ausreiseverboten en masse für das UEFA-Cup-Auswärtsspiel im slowenischen Domzale nach sich, deren Verteilungsschema an Willkür kaum zu überbieten war. So wurden Ausreiseverbote für bisher noch nie auffällig gewordene Jugendliche unter anderem mit der WM 1998 begründet, bei welcher diese Jugendlichen gerade mal 9 Jahre alt waren, um nur eines von vielen, mal wieder sehr dubiosen Beispielen zu nennen.
Nürnberg - VfB 2005
In der Vorrunde der Saison 2005/06 beschränkten sich die choreografischen Aktivitäten vermehrt auf die Blöcke 31/32, in denen man optisch wieder zur Normalität zurückkehrte und den Schwerpunkt auf kleinere Choreografien mit Bezug zum VfB setzte. Mit der "Schwäbisch Dynamite"-Choreo gegen Köln, der Traditionschoreo gegen Bielefeld, einer Blockfahne "Reclaim the Game" gegen Gladbach, Folienbahnen gegen Hertha sowie einer 1893-Fahnen-Aktion gegen Schalke wurde dies untermauert. Ende 2005 war nach diesem Jahr zwischen Protest und Normalität noch einmal Schweigen angesagt. Beim Spiel in Frankfurt schaffte man es zusammen mit den Frankfurtern als eine der ganz wenigen Kurven in Deutschland, die ersten 15 Minuten des "bundesweiten Stimmungsboykotts" durchzuführen. Auf diese Art und Weise machten die beiden Kurven auf die Probleme der Fans wie zunehmende Repression und Willkür im Vorjahr der WM aufmerksam.
Auf zu neuen Zielen: Das Jahr 2006
Pünktlich zum 1. Januar 2006 gründete sich die "Fördergruppe CC e.V." (Nähere Infos unter Mitgliedschaft). Damit waren die strukturellen Weichen für das neue Jahr gestellt. Die Rückrunde konnte beginnen, in der mit einem katastrophalen Fußball auf dem Platz und stimmungsmäßigem Durchschnitts-Einheitsbrei auf den Rängen aber zunächst Tristesse angesagt war. Einzig die Proteste gegen den Präsidenten zeugten Anfang des Jahres von einer intakten Kurve, die sich das Recht auf sachliche Kritik nicht nehmen ließ. "Keine Ahnung, keine Planung, kein Konzept - Vorstand raus" lautete die unmissverständliche Botschaft. In Sachen Zusammenhalt bleibt neben den Protesten auch das Spiel in Köln in Erinnerung, das erste Spiel in dieser Stadt seit der verlorenen Auswärtsfahne 2004. Gegen Ende der Saison hatte sich auf dem Platz trotz Trainerwechsel von Trap zu Veh nicht sonderlich viel getan, auf den Rängen hingegen schon. Hatte man sich daheim gegen Nürnberg noch im eigenen Stadion an die Wand singen lassen, so zeigte die Cannstatter Kurve die gesamten letzten Spiele von Hannover bis Schalke endlich wieder, welches Potenzial in ihr steckt. Während man das Gebolze auf dem Rasen kaum mehr ertragen konnte und der Abpfiff nach dem letzten Spieltag schon Wochen vorher herbeigesehnt wurde, muss man für die Fanszene sagen, dass die Sommerpause zum falschen Zeitpunkt kam.
Bielefeld - VfB 2006
Im Sommer stand dann die WM vor der Tür, die uns Fans im Vorfeld eine Menge Repression und willkürliche Maßnahmen der Polizei einbrachte. Leider ist der erhoffte Rückgang der Repressionsschwelle nach der WM ausgeblieben. In Sachen Repression und Kommerzialisierung wurde im Jahr 2006 ein neuer Negativ-Höhepunkt erreicht. Während sich ganz Deutschland im Sommer im WM-Konsum wälzte, wurde die Pause von uns Ultras zu umfangreichen Verbesserungsmaßnahmen genutzt. Noch nie wurde in einer Sommerpause so intensiv an neuen Impulsen, Innovationen und neuem Liedgut gearbeitet wie in dieser. Endlich hatte man das Gefühl, dass in Sachen Mentalität eine Weiterentwicklung stattfindet. Die ersten Früchte konnten dann zu Saisonbeginn geerntet werden, die mit der ersten Karawane Cannstatt eindrucksvoll begann. Obwohl das Wetter einem bis kurz vor Beginn einen Strich durch die Rechnung machte und man schon befürchtete, dass die Premiere der Karawane ein Flop werden könnte, war man umso erfreuter, als sich zum Start doch ca. 500 bis 700 Fans einfanden. Mit jeder Menge Fahnen und Doppelhaltern, den Bändern sowie der Cannstatt-Fahne in der ersten Reihe setzte sich der bunte und lautstarke Zug in Bewegung, was ein durchaus zufriedenstellendes Bild abgab. Bei den ersten Spielen der Saison kam mit neuen kreativen Melodien, rhythmischen Trommel- und Klatscheinlagen und neuem Elan frischer Wind in unsere Kurve. Besonders in Erinnerung bleibt diesbezüglich sicherlich das Spiel in Bielefeld. Der "Ole Ola"-Song wurde sogar unverhofft zur Hymne, die vom 50-jährigen Kurven-Veteran bis zum 16-jährigen Jungspund die ganze Kurve begeisterte. Im Herbst des Jahres setzte man mit zusätzlichen neuen Liedern sowie geschlossenen Hüpfeinlagen weitere Ausrufezeichen. Insgesamt konnte in der Vorrunde 2006/07 in Sachen Support und Kreativität ein deutlicher Fortschritt erzielt werden. Jedoch war nicht alles Gold, was glänzte. Es fehlte einfach die Konstanz. An guten Tagen konnte man mit den besten Kurven mithalten oder sie auch mal an die Wand singen, aber eben nur an guten Tagen, denn der Support war viel zu stark abhängig vom Sportlichen. Immer wieder legte man Auftritte hin, die nur Mittelmaß oder manchmal auch einfach nur schlecht waren.
Bielefeld - VfB 2006
In optischer Hinsicht haben wir 2006 wenige Glanzlichter gesetzt. Die einzige Ganzkurven-Choreo des Jahres für Zvonimir Soldo gegen Wolfsburg konnte sich aufgrund einiger Lücken im Gesamtbild nicht in die Hall of Fame einreihen, in der die Highlights wie die Engel-Choreo gegen Glasgow oder die 110-Jahre-Choreo gegen Manchester schon drei Jahre zurücklagen. Kleinere Aktionen im Block 32 sorgten immerhin für ein paar Farbtupfer. Wobei man dazu sagen muss, dass man von dem Trend aus dem Jahr 2005, vermehrt auf kleine Block-Choreos zu setzen, wieder abgekommen ist. Man wollte sich im optischen Bereich fortan wieder auf große Kurvenchoreos und ansonsten auf das bekannte große Fahnenmeer konzentrieren, welches unseren eigenen Stil verkörpert und als Aushängeschild der Cannstatter Kurve bekannt ist. So entsteht auch ohne Block-Choreos regelmäßig ein eindrucksvolles Bild. Was natürlich nicht heißen soll, dass man gar keine kleinen Choreos mehr machen will. Als Beispiel für eine gelungene Block-Choreo sei im Herbst 2006 die Königreich Württemberg-Choreo gegen Mönchengladbach genannt. Eine Choreo, auf die man hingegen besser verzichtet hätte, war die schlecht erkennbare und viel zu große Blockfahne gegen den HSV, die man selbstkritisch als misslungen bezeichnen muss. Dem neuen optischen Anspruch, den Schwerpunkt außerhalb der großen Kurvenchoreos wieder auf das bekannte Fahnenmeer zu lenken und dieses zu optimieren, wurde man beim letzten Heimspiel gegen Bochum gerecht. Zudem trat vor dem Spiel nach langer Zeit mal wieder eine Band vor unserer Kurve auf. Die Stuttgarter Hip Hop-Combo Style Filet gab sich mit ihrem Song "Stuttgart City" die Ehre, deren Auftritt das Commando Cannstatt arrangiert hatte.
VfB - Bochum 2006