Das Commando

Gedanken

Die EM und die Doppelmoral der Medien
Freiraum Ultra Attitude – Zeige, für was du lebst!
ULTRAS – Ein Way of life
Quo vadis Italien – Ultrà in seinem Entstehungsland in Gefahr
Freiheit stirbt mit Sicherheit - Wie Fußballfans als Testobjekt für die staatliche Überwachung dienen
Thema Pyro - oder die Habgier des modernen Fußballs
Gegen Polizeiwillkür und Verbote - Für mehr Rechte der Fans
Gegen Kommerz - Für Traditionen und den Erhalt der Fankultur

Thema Pyro - oder die Habgier des modernen Fußballs

Das Pro und Contra zum Thema Pyro ist bereits zur Genüge diskutiert worden, weshalb wir das gar nicht weiter ausschlachten wollen. Unsere Meinung als Ultras hierzu dürfte ebenso bekannt sein, weshalb wir auch darauf nicht näher eingehen wollen. Stattdessen wollen wir uns über die oberflächliche Diskussion über Pro („Pyro schaffte eine tolle Atmosphäre“) und Contra („Pyro kann dem Verein eine Geldstrafe bringen“) hinaus einmal tiefer mit der Materie beschäftigen und zum Beispiel hinterfragen, warum die Vereine überhaupt Geldstrafen bei Pyroshows im Fanblock zahlen müssen. Vor allem die Rolle der Verbände und der Medien im modernen Fußball soll kritisch beleuchtet werden. Zunächst wollen wir auf die recht zweifelhafte Berichterstattung in den Medien eingehen. Wie ist es beispielsweise zu erklären, dass bei großen Pyroshows in Südeuropa von „toller südländischer Atmosphäre“ berichtet wird, während dieselben Reporter bei Pyroshows in deutschen Stadien von „Szenen, die wir nicht sehen wollen“ oder den „Chaoten, die es nicht lassen können“ reden? Bei Pyroaktionen in deutschen Stadien werden die „Zündler“ in Großaufnahme gezeigt und es wird zum Denunzieren aufgerufen, während beim selben Vorgang im Ausland die „Zündler“ für ihre tolle Atmosphäre gelobt werden, die sie entfachen. Mit dieser paradoxen Art der Berichterstattung rücken sich die Medien nicht nur in ein unglaubwürdiges Licht, sie versuchen auch Fans in „gut“ und „böse“ einzuteilen. Die Frage ist aber auch, warum viele „Fans“ in Deutschland auf diese Aufrufe zur Denunziation anspringen? Ganz egal, ob man Pyro gut findet oder nicht, sollte man bedenken, dass man den Medien eine Bestätigung für ihre mit zweierlei Maß gemessene, heuchlerischen Berichterstattung liefert, wenn man solchen Aufrufen nachkommt. Nur eine vereinte Kurve kann etwas bewegen, wie die letzte Saison bei uns gezeigt hat, als es nach anhaltend miserabler Leistung der Mannschaft auch einmal einem wirkungsvollen, konstruktiv-kritischen Fanprotest bedurfte.

Ein Blick ins Ausland, wo die Kurven leer bleiben, wenn die Fans beispielsweise gegen schlechte Mannschaftsleistungen oder Stadionverbote protestieren, zeigt, dass sich nur durch Zusammenhalt etwas erreichen lässt. In Deutschland sind solche Proteste leider nicht möglich, weil jeder – und da war oben beschriebene Denunziation nur eines von vielen Beispielen – egoistisch an sein eigenes Interesse denkt statt seine persönlichen Interessen hinter die der Kurve zu stellen. Leider lassen die Medien nicht nur bei ihrer unterschiedlichen Berichterstattung aus in- und ausländischen Ligen, sondern auch bei der Unterscheidung zwischen Pyro und Gewalt jegliches Fingerspitzengefühl vermissen. Da werden Pyroaktionen als Randale hingestellt und wild mit Bildern von gewalttätigen Auseinandersetzungen vermischt. Und ein paar Stunden später im Programm bei „La Ola“ werden die selben Aktionen dann wieder als „Super Stimmung der fantastischen Fans“ gelobt.

Nun wollen wir uns aber dem Kern des Problems näher und die Rolle der Verbände hinterfragen. Es ist verständlich, dass Vereine angesichts eventueller Geldstrafen
Pyro in den Kurven nicht gerne sehen. Trotzdem sollte auch hier die Verhältnismäßigkeit
gewahrt werden. Ein Spieler mit einem 2-Millionen-Gehalt schadet bei schlechter Leistung dem Verein wesentlich mehr als ein Fan, wegen dessen Pyroaktion eine Geldstrafe von 5000 Euro anfällt. Würde es diese Geldstrafen aber gar nicht geben, würden die Vereine
sicherlich auch entspannter mit der Thematik umgehen. Vor einigen Jahren noch war der Drang des DFB, solche Geldstrafen zu verhängen, noch nicht so immens und deshalb das Interesse der Vereine, sich gegen Pyro auszusprechen, entsprechend geringer als heute. Der DFB ist der reichste Einzelsportverband der Welt. „Mal so nebenher“ hat dieser bei der WM im letzten Jahr 155 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet. Der Fußball wird von DFB und DFL schon lange nur noch als Geschäft und die Fans nur noch als Kunden angesehen. Die Gier nach Geld aus Fernsehverträgen, der Kampf um Umsatzzahlen, Einschaltquoten und Sendezeiten haben die wahren Werte unseres Fußballsports längst verdrängt. Unangenehme Anstoßzeiten für die Fans, wie zum Beispiel bei Auswärtsspielen am Freitagabend oder in der 2. Liga bei Montagsspielen, sowie eingeschränkte Free-TV-Übertragungen interessieren die Funktionäre genauso wenig wie die längst überfällige Überarbeitung der Stadionverbots-Richtlinien; es geht nur noch um den Profit. Angesichts der erschreckenden Entwicklung der Kommerzialisierung im Fußball in den letzten Jahren und der Geldgier des reichsten Einzelsportverbandes der Welt muss man fragen, ob derartige Geldstrafen für die Vereine wirklich gerechtfertigt sind, während zum Beispiel ein ehemaliger Präsident dieses Verbandes trotz zigfacher Skandale noch nie eine Strafe bekommen hat. Genauso wie Fans mit Stadionverboten für viele Jahre ausgesperrt werden, während Spieler bei einer groben Tätlichkeit eine Strafe von wenigen Wochen bekommen. Statt mit den Beträgen aus solchen Strafen die goldenen Taschen des DFB zu füllen und den Funktionären ihre Nobelkarossen zu finanzieren, wären die Gelder viel besser bei Fanprojekten angelegt, die durch präventive Arbeit erfolgreiche Lösungsmöglichkeiten bei Problemen mit Fans aufzeigen. Doch leider scheitert die Installation von Fanprojekten vielerorts dann oftmals am Geld. Man darf nicht nur oberflächlich mit dem Finger auf „Pyromanen“ zeigen, sondern muss die Gesamtzusammenhänge erkennen. Der moderne Fußball nimmt uns Fans immer mehr Freiräume. Egal um was es geht, ob Verbote von Materialien wie Fahnen, Trommeln oder Choreografien bei Auswärtsspielen (was seit Jahren immer wieder vorkommt, egal ob Pyro gebrannt hat oder nicht), wegen Bandenwerbung wegfallende Zaunfahnenplätze, Stadionverbote wegen Nichtigkeiten usw. - alles wird eingeschränkt oder verboten. Will der Fußball überleben,muss er sich zwangsweise mit seiner eigenen Geschichte, mit den gesellschaftlichen Bedingungen und uns Fans auseinandersetzen, die diesen Sport erst zu dem machen, was er ist.

Gegen den modernen Fußball!