Geschichte
Die 70er-Jahre: Anfänge im Block L
Auch in den 70er-Jahren gab es in Cannstatt schon eine Fanszene und Schlachtenbummler, die den VfB zu Auswärtsspielen begleiteten wenn auch noch nicht so organisiert wie in späteren Jahrzehnten. Standort des harten Kerns der VfB-Fans bei Heimspielen war der Block L an der Gegengerade. Der Umbau des Neckarstadions anlässlich der WM 1974 brachte eine Generalüberholung der Kurven mit sich. Damit sollte der VfB eine topmoderne Arena bekommen, doch die beiden Jahre bis zur Fertigstellung musste auf einer Baustelle gespielt werden, was den ohnehin schon dramatischen Zuschauerrückgang der frühen 70er-Jahre noch weiter verstärkte. Dies setzte sich fort als der VfB 1975 in die zweite Liga abstieg. Im Zuge dessen verließen die Fans ihren alten Stammplatz im Block L auf der Gegengerade und schlugen ihre Zelte im A-Block auf. Die neue Heimat sollte trotz der großen Entfernung zum Spielfeld zur Dauerheimat werden. Auch auswärts sorgte der VfB-Anhang für Aufsehen. Beim Spiel in Völklingen gab es beinahe einen Spielabbruch nachdem aus dem Block der rund 1000 mitgereisten Stuttgarter Flaschen auf den Platz flogen. Nach dem Wiederaufstieg 1977 schaffte der VfB 1978 in der Bundesliga auf Anhieb gleich die Vizemeisterschaft. Die Folge war ein riesiger Boom mit einem Zuschauerschnitt von 54.000. Ein Rekord in der Bundesliga, den der VfB fast 20 Jahre lang hielt und der erst Mitte der 90er-Jahre gebrochen wurde. "Sundermann Wundermann" hieß in dieser Zeit des unverhofften Höhenflugs ein beliebter Schlachtruf in der Kurve, der dem Trainer Jürgen Sundermann gewidmet war. Auch die Fanszene profitierte von dem Boom. Die Zahl der Fanclubs schnellte nach oben - mit 88 Fanclubs schaffte man sogar den Bundesligarekord. Eine Interessengemeinschaft wurde gegründet, in der sich neben den noch existierenden "Rot-Weißen Schwaben Berkheim" unter anderem Fanclubs wie die "Vierteleschlorzer Urma" oder "das Samstag-Nachmittags-Fieber" fanden. Die Interessengemeinschaft stieß aber nicht bei allen Fans auf Gegenliebe. Viele im A-Block standen einer Registrierung ihrer Personalien kritisch gegenüber. Die Interessengemeinschaft spaltete den A-Block regelrecht in zwei Teile: in Mitglieder der Interessengemeinschaft und in Nichtmitglieder bzw. Rest der A-Block-Gänger. Diese Aufteilung führte zu heftigen Streitigkeiten innerhalb des A-Blocks.
In Duisburg
Die 80er-Jahre: Kutten, Skins und Hools
In den 80er-Jahren entwickelten sich in den deutschen Fankurven erstmals Subkulturen. Mit Beginn der 80er kam zunächst die Skinhead-Bewegung von England nach Deutschland und hielt auch Einzug in die Fußballstadien. Immer mehr Glatzen bevölkerten die Fanblocks. Auch die aufkommende Hooliganszene sorgte für Schlagzeilen. Einige Hools schlossen sich der Skinhead-Bewegung an, wodurch es zwar nicht überall, aber in manchen Kurven zu einer Vermischung und Politisierung kam. Dies wurde dadurch begünstigt, dass Skins und Hools gemeinsame Vorlieben hatten: Alkohol, Fußball und Gewalt. Bundesweit waren die Szenen mit ihren Bestandteilen Kutten, Skins und Hools aufgrund ihrer Gewaltbereitschaft und ihrem Fanatismus gefürchtet. Nicht selten kam es in und um die Stadien zu heftigen Auseinandersetzungen. In den Stadien, Bahnhöfen und Straßen gehörten Ausschreitungen an Spieltagen zum Bundesliga-Alltag. So auch in der Saison 1981/82, als beim Derby gegen den KSC 200 VfB-Fans randalierten, von denen 20 festgenommen wurden. Neben der zunehmenden Gewalt sorgten weitere Faktoren wie der trotz Finaleinzug erbärmliche Auftritt der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 1982, schwache Leistungen hochbezahlter Bundesligaprofis sowie der beginnende Tennisboom für eine allgemeine Fußballmüdigkeit in Deutschland. Die Zuschauerzahlen sanken Anfang der 80er-Jahre landesweit auf ein Rekordtief. Wo beim VfB 5 Jahre zuvor noch 54000 Zuschauer im Schnitt die Spiele sahen, waren es in der Saison 1982/83 trotz Platz 3 in der Liga nur noch 27500. Nicht mal die Meisterschaftssaison 1983/84 konnte daran großartig etwas ändern. Nur zweimal war das Neckarstadion in der Meisterschaftssaison ausverkauft, insgesamt lag der Schnitt bei unter 32000.
In Bochum
In den 80er-Jahren herrschte im A-Block in der Cannstatter Kurve noch eine knallharte Hierarchie. Der Aufnäher "A-Block Stuttgart" auf der ausgefransten, ärmellosen Jeans-Weste, die über die Bomberjacke gezogen wurde, war kein modischer Fanartikel, sondern eine Lebenseinstellung. Der A-Block war fest aufgegliedert in einzelne Zonen, in denen jeder Fanclub Herr über sein eigenes Revier war. Wer es wagte, sich auf den angestammten Platz eines Fanclubs zu stellen, der wurde auf rustikale Art und Weise wieder nach unten "gebeten". Erst nach vielen Jahren Dauerkarte und guten Kontakten zu den bekannten Gesichtern genoss man das Ansehen des harten Kerns der Szene.
Eine Reise zu Auswärtsspielen glich in den 80er-Jahren häufig einem Spießrutenlauf. Selbstverständlich war zu dieser Zeit, dass man nicht mit Trikot oder Schal, sondern neutral angezogen zu den Auswärtsspielen fuhr. Es gehörte zum Alltag, dass beispielsweise bei Spielen des VfB in Schalke einheimische Hools neutral angezogen im Gästeblock standen und bei einem Stuttgarter Torjubel Backpfeifen verteilten. Umgekehrt war für Gästefans das Spiel in Stuttgart auch alles andere als ein gemütlicher Ausflug. Manchmal schafften es gegnerische Anhänger gar nicht erst bis zu den Toren des Neckarstadions, da sie schon am Bahnhof oder auf dem Weg zum Stadion abgefangen wurden. Der A-Block wurde zur Festung und deutschlandweit berüchtigt als Heimat der hartgesottenen VfB-Fans. Diese begannen sich immer mehr zu organisieren. So blieb beispielsweise beim Heimspiel gegen Bremen in der Saison 1986/87 der A-Block in der 1. Halbzeit aus Protest gegen Trainer Egon Coordes leer. Auch ein Flugblatt des Vereins, das im A-Block verteilt wurde mit dem Ziel die Fans zu beruhigen, konnte daran nichts ändern. Einige Fans warteten sogar vor Coordes Wohnung in Aldingen auf den gehassten Trainer...
In Bochum
Die 80er waren auch das Jahrzehnt der großen Fanfreundschaften. In Stuttgart entstand eine solche zu den Fans von Eintracht Frankfurt. Diese hatten ihrerseits eine Freundschaft mit dem HSV, der wiederum mit Dortmund befreundet war. Bei den Hools bildete sich Ende der 80er die Süddeutsche Front mit Stuttgart, Karlsruhe und München. Nach der Freundschaft mit Frankfurt, die nach gemeinsamen Aktionen der Stuttgarter mit Offenbachern in die Brüche ging, folgte die nächste und letzte große Fanfreundschaft mit den Anhängern von Bayer Leverkusen. Bei einem Spiel des VfB in Leverkusen wurden die schwäbischen Gäste derart freundlich empfangen, dass sich die Fans der beiden Vereine anschließend verbündeten. Man ließ die Stuttgarter Schlachtenbummler im Ulrich-Haberland-Stadion sogar über den Rasen zum Gästeblock laufen.
UEFA-Cup-Finale in Neapel
Nach dem im Jahre 1986 mit 2:5 verlorenen DFB-Pokalfinale gegen Bayern München, bei dem der Verein 25000 Papierfähnchen mit der Aufschrift "Stuttgart grüßt Berlin" sowie 20000 Plastik-Trompeten verteilte, waren gegen Ende des Jahrzehnts, in der Saison 1988/89, alle Augen auf den UEFA-Cup gerichtet. Der VfB schaffte es über die Stationen Tatabanya, Zagreb, Groningen, San Sebastian und Dresden bis ins Finale gegen den SSC Neapel. Für die Fanszene erlebnisreiche Fahrten, die unvergessen bleiben. Highlights waren dabei das Halbfinale in Dresden sowie die Finalspiele gegen Neapel. Unvergessen die Fahrt zum Halbfinal-Auswärtsspiel in die ehemalige DDR, wo die Stuttgarter Busse von der Stasi begleitet wurden. Nach Neapel zog es rund 4000 Stuttgarter, die eine Hexenkessel-Atmosphäre mit fanatischer Unterstützung und einer gigantischen Pyroshow der italienischen Ultras miterlebten. Längst nicht verraucht war dagegen der Ärger über die 1:2-Niederlage mit dem skandalösen Auftritt von Schiedsrichter Germanakos. Beim Rückspiel war das Neckarstadion restlos ausverkauft – es hätten 200.000 Karten verkauft werden können. Viele Fans übernachteten vor den Kassenhäuschen, um noch ein Ticket zu bekommen. Trotz offenem Schlagabtausch konnte das Spiel nicht mehr gedreht werden und 20000 italienische Tifosi feierten in der Untertürkheimer Kurve den neuen UEFA-Cup-Sieger.
UEFA-Cup-Finale in Neapel
Die 90er-Jahre: Die Entwicklung zum Commando Cannstatt
Im Jahr 1990 gründeten sich die Offiziellen Fanclubs (OFCs), womit der Kurve erstmals eine richtige Organisation gegeben wurde. Die Meister-Feier 1992 in Leverkusen sowie auch die Verabschiedung von Christoph Daum, bei welcher der ganze A-Block mit Taschentüchern winkte und Daum sich mit Tränen in den Augen vor dem Block verabschiedete, waren große Momente der Fanszene Anfang der 90er-Jahre. Im Gegensatz zum Debakel von Leeds, das ein harter Schlag war und dem Verein damals die Chance zum großen Sprung vereitelte. Auch neben dem Platz ging es heiß her. Beim Heimspiel gegen Leeds in Stuttgart kam es auf der Mercedesstraße zu Ausschreitungen mit den englischen Anhängern, nachdem diese geschlossen Richtung Cannstatter Kurve marschierten. Nach dem Spiel auf der Insel, dem rund 500 Stuttgarter beiwohnten und das nachträglich wegen der Einwechslung eines vierten Nicht-EU-Ausländers mit 3:0 für Leeds gewertet wurde, bezahlte der VfB seinen Fans die Busse nach Barcelona zum Entscheidungsspiel, welches bekanntlich verloren ging. Die Folgejahre nach dem Leeds-Debakel plätscherten recht müde dahin bis Mitte der 90er-Jahre schließlich ein Wandel in der Fanszene stattfand. Eine neue Bewegung keimte auf, die maßgeblich zum Entstehen des Commando Cannstatt beitrug. Im Jahr 1994 wagte zum ersten Mal ein kleines Häufchen aus dem harten Kern der Allesfahrer-Szene die späteren Gründungsmitglieder des Commando Cannstatt den Sprung ins kalte Wasser und stellte sich nicht mehr in den A-Block, sondern in den benachbarten Sitzplatzblock 30. Dieses Novum sorgte damals für viel Wirbel, schließlich gab es bis zu dieser Zeit für Fans in Stuttgart nur den A-Block und sonst nichts. Die Gründe für den Blockwechsel resultierten aus der ständig zunehmenden Unzufriedenheit über die schlechte Stimmung im A-Block, verbunden mit einem Wechsel des Klientels innerhalb der Stehplätze, weg vom hartgesottenen, grölenden und dauersingenden Fan, hin zu Modefans, "Schweigern" und Familien, die sich nur wegen der billigen Eintrittskarten in den A-Block stellten.
Der A-Block 1991/1992
Verantwortlich für diesen "Austausch" der Fankultur zeichnet vor allem der Abbau der Stehplätze anlässlich der Leichtathletik-Weltmeisterschaft 1993. Zogen sich vor dem Umbau des Neckarstadions die Stehränge noch über die gesamte Kurve, so schrumpfte der Freiraum für Fans danach auf die Blöcke A und B zusammen. Immer mehr "Normalos" nisteten sich ein, die vorher weiter in der Mitte ihren Platz hatten, aber nach dem Umbau nicht auf den preisgünstigen Stehplatz verzichten wollten. Die Treuesten der Treuen waren zu einer Minderheit dezimiert. Darum kam es in der Allesfahrer-Szene immer mehr in Mode, seine Kutte daheim im Schrank zu lassen und sich sozusagen als Abgrenzung zu den immer mit recht vielen Fanutensilien umher laufenden "Schweigern" dezent zu kleiden und sich ohne Fankluft oder lediglich mit einem Schal bzw. einem Shirt, versehen mit dem kleinen aufgestickten Emblem des Fanclubs, zu zeigen. Selbst die verbliebenen Schalträger wollten sich von der Masse abheben und banden sich einen der eher rar gesäten Balkenschals oder ein Exemplar des eigenen Fanclubs mit einem "stylischen" Knoten um den Hals. Die Vorbilder für diesen neuen Stil rührten aus England und Italien, wobei Anfang/Mitte der 90er in Stuttgart die englische Fanszene mit ihren Supporters eine viel größere Vorreiterrolle spielte wie die italienischen Ultras, die erst später zum Vorbild wurden.
Zugfahrt nach Frankfurt 1991/1992
Das kleine Stuttgarter Allesfahrer-Häufchen, bestehend aus den Fanclubs Schwäbisch Dynamite, Powerplay, ASD, No Name Boyz und Schwäbisch Hall, positionierte sich also mit etwa 25 Mann im Block 30 neben dem A-Block und sorgte dort erstmals von den Sitzplätzen aus für Stimmung. Dispute mit den Fans auf den Stehplätzen gehörten dabei in der Anfangszeit zur Tagesordnung. Meist aufgrund der schlechten Stimmung im A-Block. Für den damaligen Ordnungsdienst stellte man ein gefundenes Fressen dar, da den Leibchenträgern ein singender Haufen auf den Sitzplätzen so ganz und gar nicht passte. Dies hatten sie ja auch zuvor noch nie gesehen, denn wer Stimmung machen wollte, für den gab es bis dahin nur den A-Block. Des Öfteren polterten die Herren in Orange mit Kommentaren wie "Wenn ihr singen wollt, dann geht in den A-Block", "Hier sind Sitzplätze, also setzt euch gefälligst hin" oder gar "Setzt euch hin und haltet die Fresse, sonst kriegt ihr nachher draußen eine aufs Maul". Bei manchen Spielen verdonnerte der Ordnungsdienst unser 25-Mann-Grüppchen sogar unter Androhung des Rauswurfes zum Sitzen. So erspähten Gästeanhänger in Stuttgart öfters eine Halbzeit lang einen stehenden Pulk im Block 30, in der anderen Hälfte einen sitzenden. Manchmal wurde der Sitzzwang geistesgegenwärtig in eine "Umba" umgemünzt, um nach dem Hinsetzen gleich wieder aufzuspringen, was dem Ordnungsdienst die Zornesröte ins Gesicht trieb.
In Duisburg 1996
Mit Aktionen für den damaligen Trainer Rolf Fringer in der Saison 1995/96 machte das magische Dreieck, wie sich die drei Fanclubs Schwäbisch Dynamite, ASD und Powerplay aufgrund der gleichnamigen VfB-Spieler-Achse selbst bezeichneten, erstmals auch aktionsmäßig auf sich aufmerksam und legte damit den Grundstein für das Commando Cannstatt, welches später just von diesen Leuten ins Leben gerufen wurde. Das magische Dreieck bildete damals die aktive Szene in Stuttgart und implementierte mit den ersten Aktionen den Ultragedanken im Schwabenland. Spruchbänder für den beliebten Trainer Fringer, der kurz vor dem Rauswurf stand, sowie eine Räumung des A-Blocks organisierte damals das magische Dreieck. Ebenso die Bepflasterung der gesamten Mercedesstraße mit Sprüchen und Aufklebern für den Schweizer Trainer unter dem Motto "Wenn Fringer geht, gehen wir auch" sowie einen Sitzstreik in Hamburg mit anschließender Busblockade. Für viel Unmut beim harten Kern sorgte auch immer wieder der damalige Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, gegen den es regelmäßig Proteste, Gesänge und Spruchbänder hagelte.
A-Block in den 90er-Jahren
Cannstatter Kurve in den 90er-Jahren
Das Sprachorgan der Stuttgarter Fanszene war Mitte der 90er-Jahre das vom Fanclub Schwäbisch Dynamite herausgegebene Fanzine "SchwabenStreich". Nachdem die Vorgänger aus den 80er-Jahren "Zollern-Alb-Info" und "Crash" das Zeitliche gesegnet hatten, weckte der SchwabenStreich nach Jahren die eingeschlafene Stuttgarter Fanzine-Landschaft wieder auf und stellte gleichzeitig ein eminent wichtiges Kommunikationsmittel für die Fans und die frisch aufgekommene Ultrabewegung dar. In einer Zeit, in der es weder Internet noch Handy gab, nahmen die Fanzines einen wesentlich höheren Stellenwert ein wie heute. Als Hauptproblem beschäftigte die Fanszene Mitte der 90er-Jahre die schlechte Stimmung in Stuttgart. Nicht zu Unrecht bekam man von anderen Fans den Stempel des schlechtesten Heimsupports der Liga aufgedrückt. Auch die Protagonisten der Stuttgarter Ultrabewegung im neuen Block 30 konnten mit ihren lediglich rund 25 Mann das Heft nicht in die Hand nehmen, weshalb man auf diversen Fanclub-Sitzungen nach neuen Möglichkeiten suchte. Als Resultat folgten Flugblätter, die das SchwabenStreich-Team in Eigenregie verteilte und die ebenfalls als wichtiges Kommunikationsorgan in der Vor-Internetzeit herhielten. Zu bestimmten Heimspielen brachten die aktiven Fans diese Flugblätter, in denen das magische Dreieck zum Beispiel zu besserer Stimmung oder bestimmten Aktionen aufrief, am Eingang des A- und B-Blocks unter das Volk. In manchen Flyern appellierten die Verfasser auch daran, vermehrt auswärts zu fahren. Auslöser waren Spiele wie in Uerdingen, wo sich gerade einmal 100 Mann im Gästeblock verloren. 400 Anhänger an einem Samstag in Dortmund oder 200 in Schalke, 30 bis 40 Mann samstags in Rostock oder abgezählte sieben VfB-Fans unter der Woche in Hamburg sagen sicherlich einiges über die damalige "Reisewut" der VfB-Fans. Natürlich gab es auch andere Spiele, zu denen die Stuttgarter Anhänger recht zahlreich pilgerten, im Vergleich zu anderen Vereinen geizten die Schwaben aber für gewöhnlich in Sachen Auswärtsfahrer. Vor allem die Spiele mit über 500 Kilometern Entfernung ließen zu wünschen übrig.
Auswärts in Rostock
Einig war man sich schon damals, dass sich nur gemeinsam mit anderen Fanclub-Mitgliedern etwas an der aktuellen Lage verändern und bewegen lässt. Aus dieser Idee des gemeinsamen Zusammenwirkens der Kräfte entstand 1996 die Idee des Commando Cannstatt. Diese richtete sich vor allem gegen die immer schlechter werdende Stimmung in Stuttgart und basierte auf dem Unmut über den Zusammenschluss der Offiziellen Fanclubs (OFC), dem von vielen Fans Untätigkeit vorgeworfen wurde. Viele fühlten sich im Stich gelassen von den OFC’s, bei denen jeder sein eigenes Süppchen kochte, und wollten nun selbst die Initiative ergreifen. Es war an der Zeit mit frischem Wind massiv die Probleme wie schlechte Stimmung, zu wenig Auswärtsfahrer etc. anzugehen sowie die erfolgreich angelaufenen Aktionen unter dem Dach einer Ultragruppe zu bündeln. Mit einem selbst gesprühten Spruchband mit der Aufschrift "Commando Cannstatt" machte man sich erstmals bei einem Heimspiel Mitte 1996 auf den Weg in den Block 30. Zum Spiel in Karlsruhe organisierte der damals noch lose Zusammenschluss Commando Cannstatt die erste richtige Aktion. Die Block 30-Crew hatte eine mit Löchern versehene Blockfahne gebastelt, aus denen die mitgereisten Stuttgarter ihre blanken Hinterteile in den badischen Abendhimmel streckten. Über den nackten Tatsachen prangte die Aufschrift "We love you Kallsruh", rechts und links davon rundeten gelbe Füße aus Pappe das Spektakel ab (Badener werden im Schwabenland "Gelbfüßler" genannt). Damit der Stofffetzen in der Mitte des Blockes auch optimal zur Geltung kam, setzten sich die Fans unten am Zaun auf Kommando hin. Diese Aktion, die selbst der Karlsruher Anzeigetafel-Bevollmächtigte so schön fand, dass er sie direkt über den Strophen des Badener-Lieds auf der Anzeigetafel einblendete, war sozusagen der Startschuss für die kommenden Aktivitäten.
"Arsch-Aktion" 1996 in Karlsruhe