Cannstatter Kurve

Hintergrundinfo 2008/09

Energie Cottbus - VfB Stuttgart 0:3

Die Gruppen Commando Cannstatt, Supporter Boyz, Schwabensturm, Yard Bwoys, Working Class und 0711 Squad sowie einige Fanclubs und Einzelpersonen haben beim Spiel in Cottbus den Gästeblock verlassen und verbrachten das Spiel vor dem Stadion. Zunächst gab es diverse Schikanen bei den Einlasskontrollen. Obwohl Zaunfahnen erlaubt (siehe: http://vfb.de/de/fans/news/2008/28407.php) und noch Fahnenplätze frei waren, wurde es uns vom Ordnungsdienst zuerst verboten, unsere ULTRAS-Zaunfahne ins Stadion zu nehmen. Obwohl 5 Trommeln erlaubt waren, wollten die Ordner die zweite Trommel nicht reinlassen. Die andere Trommel durfte rein, aber die Trommelstecken dazu nicht, weil man durch die PVC-Rohre "nicht durchschauen kann". Schließlich wurden sie nach Verhandlungen doch erlaubt nachdem die Stecken oben aufgeschnitten wurden bis das Loch groß genug war. Die Ordner haben währendessen nur gegrinst und sich über die Maßnahme gefreut ("Komm mach das Loch noch größer, damit man richtig durchkieken kann"). Das Megaphon durfte nur in den Gästeblockteil O (wir hatten Karten für den Gästeblockteil N).

Die Einlasskontrollen wurden von den Ordnern ohne ersichtlichen Grund in die Länge gezogen. Jeder Einzelne wurde aufs Penibelste abgetastet und durchsucht, fast alle mussten ihre Schuhe ausziehen. Einem Fan wurde mit Rausschmiss gedroht, weil er seine Schuhe nicht auf eine Matte, sondern ein paar Zentimeter daneben gestellt hatte. Einem anderen drohte ein Ordner mit einer Anzeige wegen "Nötigung", weil er ihm den Schuh in die Hand gedrückt hat. Die Ordner schienen neben verbalen Sticheleien (wie zum Beispiel "He du Affe") die Kontrollen bewusst in die Länge zu ziehen und Provokationen zu schüren. So standen mehrere Ordner am Eingang ohne zu kontrollieren und schauten sich gemütlich die lange Schlange an, in der es nicht voran ging. Nicht wenige Fans standen eine halbe Stunde lang an und kamen kaum einen Meter voran - und das bei gerade mal rund 600 Gästefans. Auf den Hinweis von Seiten der Fans, dass bei dem gegebenen Kontrolltempo bis Anpfiff lange nicht alle Fans im Stadion sind, reagierten die Ordner mit Ignoranz.

Situation am Eingang

Als dann 10 Minuten vor Anpfiff immer noch über hundert VfB-Fans vor den Toren standen und es sich abzeichnete, dass einige den Spielbeginn wegen den langsamen Ordnerkontrollen verpassen würden, wurde von hinten geschoben. Daraufhin zogen die Ordner einige Leute in den vorderen Reihen heraus und schmissen sie im Würgegriff aus dem Stadion oder beförderten sie rabiat zu Boden. Mehrere VfB-Fans, die bereits im Gästeblock waren, kamen heraus und eilten zur Hilfe. Nun kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Fans und Ordnern; letztere haben wohl nur darauf gewartet loslegen zu können und bewaffneten sich mit Handschuhen und Mundschutz. Ca. 100 VfB-Fans verließen daraufhin das Stadion und begaben sich zu den Rausgeworfenen:

Der Block wird verlassen

Während dem Spiel am Bus

Loben muss man an dieser Stelle den Einsatz der Polizei. Diese verhielt sich deeskalierend und ließ die Fans auf deren Wunsch aus dem Stadion gehen, wo man die Zeit während des Spiels verbrachte. Draußen machte man mit ein paar Leuten noch ein Foto mit einem Banner, das man anlässlich einer gleichnamigen Demo am selben Tag in Stuttgart eigentlich im Stadion zeigen wollte und zum heutigen Tag wie die Faust aufs Auge passte:

Gruppenfoto mit Anti-Repsessions-Banner

Commando Cannstatt 1997

VfB Stuttgart – VfL Bochum 2:0

Sevilla: besser IHR wärt zuhause geblieben

Nach dem schwachen Spiel in Sevilla und den Unmutsäußerungen der mitgereisten 250 VfB-Fans hatte VfB-Trainer Armin Veh in den Medien gesagt: "Dann sollen diese Fans halt das nächste Mal zu Hause bleiben". Die Reaktion erhielt der Trainer in Form eines Spruchbandes.

VfB Stuttgart – Karlsruher SC 3:1

Endlich konnte ein lange gehegter Wunsch in die Tat umgesetzt werden und die notwendigen Auflagen bzw. Genehmigungen von verschiedenen Ämtern der Stadt Stuttgart für eine am Dach hochzuziehende Fahne eingeholt werden. Das Motto der Derbychoreo lautete „Hoch zu Ross ins letzte Gefecht“.

Hoch zu Ross ins letzte Gefecht

„Hoch zu Ross“ ist der Name einer Hymne eines Württembergischen Musikkorps aus dem 19. Jahrhundert und passte zum Choreo-Thema Württemberg und der Ritterfahne wie die Faust aufs Auge. Das letzte Gefecht stand auch symbolisch für das (hoffentlich) letzte Derby in Stuttgart vor dem Abstieg der Badenser. Folglich bildete gleichnamiger Spruch den ersten Teil der Choreo, bei der neben selbigem zunächst nur die kreisförmig angeordneten Fähnchen in den rot-schwarzen Farben Württembergs sowie die württembergischen Symbolfiguren Löwe und Hirsch auf Streifenblockfahnen zu sehen waren.

Hirsch

Loewe

Diese „griffen“ sich links bzw. rechts außen am Kreis fest. Die einzelnen Streifenblockfahnen sollten ursprünglich in zeitlich fest geplanter Abfolge hintereinander von oben nach unten bzw. von unten nach oben ausgerollt werden. Hier schlichen sich aber ein paar kleinere Fehler ein. So wurde die schmale Blockfahne rechts außen zuerst schräg runtergelassen und mit der Blockfahne links außen gab es ebenfalls ein paar Probleme. Das Gesamtbild wurde dadurch aber nicht beeinträchtigt. Im Nachhinein wäre es trotzdem besser gewesen, die Blockfahnen als Ganzes zu belassen, da die Streifen kaum erkennbar waren. Im zweiten Teil der Choreo trat das nächste Element in Erscheinung. Das Spruchband „Hoch zu Ross ins letzte Gefecht“ ging runter und ein Banner erschien mit verschiedenen württembergischen Kämpferfiguren sowie der Banderole „Furchtlos und treu“, dem Leitspruch des Königreichs Württemberg. Anschließend wurde es Zeit für das Hauptelement: ein württembergischer Ritter (entnommen aus einem Reitersiegel von Ulrich IV. aus dem Jahre 1354) stieg begleitet vom Applaus des gesamten Stadions langsam empor und dockte schließlich – aus frontaler Perspektive gesehen – mit seiner Stange an die wehende Württemberg-Fahne auf der Anzeigetafel an.

Ritter

Untermalt wurde die gesamte Choreo mit einer instrumentalen, martialischen Musik. Ein großes Dankeschön geht von unserer Seite an die gesamte Cannstatter Kurve, die maßgeblich zum Gelingen der Choreo beigetragen hat. Bedanken wollen wir uns darüber hinaus auch bei den Vereinsvertretern, dem Ordnungsdienst, dem Sportamt, dem Amt für öffentliche Ordnung sowie der Verwaltung des Carl-Benz-Centers für das unbürokratische Entgegenkommen im Vorfeld.

Gesamtbild

Neben der Choreo durften auch ein paar Spruchbänder zum Derby nicht fehlen:

„Brustring zerschlagen? Stuttgart vernichten? Karlsruhe viel vor – nichts dahinter!“

Brustring zerschlagen? Stuttgart vernichten? Karlsruhe viel vor – nichts dahinter!

Als doppelte Anspielung auf das Derbyshirt und das offizielle Stadtmotto von Karlsruhe.

„Im Kopf nur Stroh, im Web Geschmiere, Football Crime – Realsatire“

Im Kopf nur Stroh, im Web Geschmiere, Football Crime – Realsatire

Bezogen auf die gegnerische Szene.

„Dicke Hose, Rumgepose, Badische ProfilneuroSe“

Dicke Hose, Rumgepose, Badische ProfilneuroSe

„Szene E: Kämpft weiter Freunde - ULTRAS sterben nie!“

Szene E: Kämpft weiter Freunde - ULTRAS sterben nie!

Als Unterstützung für unsere Reutlinger Freunde, die vor kurzem zahlreiche fragwürdige Stadionverbote ausgesprochen bekamen. Infos auf www.szene-e.de

Des Weiteren gab es ein „Äffle und Pferdle“-Spiel mit schwäbischen Sprüchen, bei dem das Fernsehduo einen badischen „Angschdhasen“ durch den Block jagte und ihm anschließend den Kopf abriss.

Zur Feier des Sieges dann noch die Antwort auf die Karlsruher KAmpione- und KApolista-Banner. KApolinea: VfB (Endstation: VfB)

Apolinea: VfB

Lüneburger SK – VfB Stuttgart 0:5

Beim DFB-Pokalspiel in Lüneburg wurde ein Banner zur Thematik Danijel Ljuboja präsentiert, welches die Kritik an den getroffenen Entscheidungen zum Ausdruck bringen soll. Im Sinne der Mannschaft wurde dafür auf Pfiffe und Unmutsbekundungen gegen Ljuboja während dem Spiel verzichtet.

Still not loving Ljuboja Banner
Reaktion auf Ljubojas Einwechslung

VfB Stuttgart – Saturn Ramenskoje 3:0 n.V.

Zum Einlaufen der Mannschaften wurde die Thematik des „EM-Karnevals“ nachträglich in Form von Spruchbändern und Doppelhaltern aufgegriffen und dem unschlagbaren Gefühl der VfB-Leidenschaft gegenübergestellt. Mit der Aktion ist nicht die Nationalmannschaft oder das Turnier an sich gemeint, sondern die neuartige, peinliche Spezies der verkleideten „Karnevalsfans“. Alles weitere zu diesem Thema erklärt der Text „Die EM und die Doppelmoral der Medien“ in der Rubrik „Gedanken“.

Spruchbandaktion
Spruchbandaktion
Spruchbandaktion
Spruchbandaktion

Ein weiteres Spruchband war die Fortsetzung bisheriger Aktionen, deren Hintergrund wir bisher aus Rücksicht auf die betroffene Person und seine Familie nicht öffentlich gemacht haben. Vor einem halben Jahr ist ein Mitglied unserer Gruppe an Leukämie erkrankt. Ihm galten die Fahne „Dein Wohnzimmer wartet jetzt schon sehnsüchtig auf dich“ mit einer Abbildung des Neckarstadions, die bei jedem Spiel über der CC-Fahne hing, sowie die Spruchbänder „Wenn du das Commando singen hörst, dann weißt du, dass du nie alleine bist“ sowie „Du kämpfst nicht allein“. Erfreulicherweise hat er seinen Kampf gewonnen und wurde vor einigen Tagen aus der Klinik entlassen. Mit großer Freude schickten wir ihm gegen Ramenskoje mit dem Spruchband „Mit Vollgas auf deine Zielgerade, denn die Sehnsucht steigt und steigt“ einen weiteren Genesungsgruß nach Hause, wo er sich die nächsten Monate noch erholen muss.

Mit Vollgas auf deine Zielgerade, denn die Sehnsucht steigt und steigt
Wenn du das Commando singen hörst, dann weißt du, dass du nie alleine bist
Dein Wohnzimmer wartet jetzt schon sehnsüchtig auf dich
Du kämpfst nicht allein

Die Gruppe „Red Hots“ präsentierte noch ein Spruchband zur „Arena“-Umbenennung.

pruchband zur „Arena“-Umbenennung.

Nach dem Spiel kam die Mannschaft vor die Kurve, um sich den verdienten Applaus für die gewonnene Partie gegen Ramenskoje abzuholen. Am Ende des Spielertrosses trottete Danijel Ljuboja, der in der Partie nicht zum Einsatz kam. Leichte Pfiffe gegen seine Person quittierte Ljuboja mit einer abfälligen Geste Richtung Fanblock. Daraufhin kam es zu heftigen Unmutsäußerungen gegen den Serben. Einige Spieler kamen an die Brüstung und diskutierten mit den aufgebrachten Fans. Da die Unmutsbekundungen gegen Ljuboja nicht aufhörten, ging die Mannschaft schließlich geschlossen in die Kabine.

Leider bleibt so nach dem erfreulichen sportlichen Erfolg ein fader Beigeschmack. Anstatt das sportliche Geschehen zu analysieren oder über mögliche Gegner in der kommenden Qualifikationsrunde zu spekulieren, beherrscht ein Spieler die Diskussionen, den man eigentlich schon vom Hof glaubte. Die Vorgeschichte ist ausreichend durchgekaut, und somit sollte auch offensichtlich sein, dass es eben nicht darum geht, dass ein Spieler, der „vielleicht einen Fehler gemacht hat“ eine „zweite Chance“ erhalten soll. Wer sich über Jahre hinweg dem Verein und seinen Fans gegenüber so generiert, der kann sich nicht plötzlich auf eine x-te Chance berufen. Die sportliche Leitung sieht das offensichtlich anders und legt dabei eine erstaunliche Flexibilität an den Tag:

Horst Heldt vor Jahresfrist gegenüber einer Zeitung:

„Völlig ausgeschlossen, dass er jemals wieder das VfB-Trikot trägt. Wir haben ihm vor diesem ganzen Theater die Türe mehrfach geöffnet – jetzt ist sie zu!“

„Wir haben versucht, ihm klar zu machen, dass es um seine Karriere geht. Aber er hat nicht darauf gehört.“

„Natürlich sind wir von der Situation nicht begeistert. Aber wir bleiben konsequent, sonst wären wir nicht mehr glaubwürdig!“

Heute klingt das dann so:

„Es ist eine Frechheit, was sich einige wenige Fans erlaubt haben“, ärgerte sich Manager Horst Heldt, „die Mannschaft wollte sich bedanken und wurde ausgepfiffen. Danijel Ljuboja gehört zum Team, deshalb war es korrekt, wie die Spieler reagiert haben.“

Schon gegen Ende der letzten Saison hat die sportliche Leitung des VfB den eigenen Fans eine Kampagne gegen Raphael Schäfer unterstellt. Ein Vorwurf, der angesichts der konstant schlechten Leistungen des Spielers und der im Verhältnis dazu sehr moderaten Unmutsbekundungen geradezu absurd klingt. Es ist schlichtweg eine Unverschämtheit, dass die Fans als Sündenbock für die verfehlte Personalpolitik herhalten sollen. Die Fans haben während der schwierigen Phase im Herbst 2006 und Herbst 2007 zur Mannschaft gestanden – in einer Phase, in der jeder aufkommende Pfiff von den Medien begierig aufgegriffen worden wäre.

Die Fankurve kann sich nicht anmaßen, über die Verpflichtung oder Aufstellung einzelner Spieler zu entscheiden. Dies ist die Aufgabe von Managern und Trainer. Aber sie hat das Recht, Kritik an den getroffenen Entscheidungen zu üben und diese auch im Stadion zu artikulieren! Die sportliche Leitung sollte das akzeptieren, anstatt in Interviews über die eigene Anhängerschaft zu schimpfen.

Die Reaktion der Mannschaft, geschlossen in die Kabine zu gehen, ist zu respektieren. Es bleibt zu hoffen, dass der gezeigte Mannschaftsgeist in der kommenden Saison auch auf dem Platz zu sehen sein wird und wir gemeinsam eine erfolgreiche Spielzeit erleben werden. Ohne Danijel Ljuboja!